Lipari – Der vielleicht letzte Geheimtipp im Mittelmeer

Lipari – das ist eine der 7 Perlen des Liparischen Archipels. Die Einwohner nennen ihn lieber Isole Eolie – Äolische Inseln, denn nach einer alten Sage soll dort einst der Windgott Äolus gehaust haben. Er hatte von Göttervater Zeus den Auftrag bekommen, die Winde zu verwalten.

Nicht nur Lipari, sondern jede der Äolischen oder Liparischen Inseln hat ihr ganz eigenes unverwechselbares Gesicht, einen Besuch lohnen sie alle. Hässliche Bettenburgen, lärmende Parties oder gar Ballermann-Ambiente, all das werden Sie bei einem Besuch auf Lipari garantiert nicht finden. Dafür aber um so mehr malerische Landschaften, liebenswürdige Menschen und kulinarische Spezialitäten.

Insel Lipari – Die Fakten

Lipari ist mit einer Fläche von knapp 89 km² die größte Insel des Archipels, Hauptort ist das gleichnamige Lipari. Rund 13.000 Menschen leben auf der Insel und man braucht keine Bergsteiger-Ausrüstung, um den höchsten Berg dort zu erklimmen, denn der Monte Chirica – ein ehemaliger Vulkan – zählt gerade einmal 602 m.

Lipari und die übrigen Inseln gehören zu Sizilien. Die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren sind Fischfang, Landwirtschaft und Tourismus.

Lipari – Lage und Ursprünge

Das malerische Lipari ist die Hauptinsel dieser 7 Insel-Kleinode, die übrigen sechs heißen Vulcano, Stromboli, Alicudi, Filicudi, Salina und Panarea. Sie liegen im Tyrrhenischen Meer, dem Teil des Mittelmeeres nordöstlich von Sizilien. Während Sizilien mit zu den meistbesuchten und beliebtesten Zielen im Mittelmeer zählt, sind Lipari und seine Nachbarinseln eher wenig bekannt und vom ausländischen Tourismus noch nicht so überlaufen.

Der gesamte Archipel der Äolischen Inseln ist vulkanischen Ursprungs – der Stromboli spuckt auch heute noch Feuer. Ein besonders spektakuläres Erlebnis bietet sich, wenn man mit dem Schiff nachts den Stromboli passiert.

Diese Entstehungsgeschichte veranlasste 2000 die Unesco dazu, die Liparischen Inseln zum Weltnaturerbe zu ernennen. In der Erklärung heißt es dazu, dass sie ein herausragendes Beispiel für vulkanologische Phänomene sind, für die Entstehung und Zerstörung von Landschaften durch Vulkanismus. Durch die Ausbrüche auf den Inseln Vulcano und Stromboli konnten zwei neue Eruptionsarten definiert werden – vulkanische und strombolianische Explosionen – ein großer Fortschritt für die Geologie und Vulkanologie.

Lipari – Seine Geschichte und seine ‚Besucher‘

Die kleine Insel ist geprägt von unzähligen Wechselfällen seiner uralten Geschichte. Die unterschiedlichsten Völker und Kulturen hinterließen ihre Spuren und drückten der Insel ihren Stempel auf. Wenn man einer alten Legende Glauben schenken will, soll Lipari seinen Namen nach König Liparos erhalten haben, dem König eines italischen Stammes aus der vorrömischen Zeit, der lange vor unserer Zeitrechnung auf die Insel gekommen sein und Lipari-Stadt gegründet haben soll.

Steinzeit

So klein das Eiland auch sein mag, war es – bedingt durch seine zentrale geographische Lage – bereits in der Steinzeit ein bedeutendes Drehkreuz im Mittelmeer und eine wichtige Handelsmetropole. Erste Siedlungen datieren zurück bis ins 5. Jahrtausend vor Christus.

Forscher fanden heraus, dass Lipari zu jener Zeit vermutlich die Insel mit der höchsten Bevölkerungszahl im Mittelmeer war. Archäologische Funde bezeugen, dass die Handelsbeziehungen sogar bis Zypern und Malta reichten. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, womit in der Steinzeit wohl gehandelt wurde? Das Stichwort hieß „Obsidian“ – ein Material, das in jener Epoche heiß begehrt war. Ich werde im Folgenden noch genauer darauf eingehen.

Bronzezeit

Auch in der Bronzezeit erging es dem Inselarchipel gut und die Menschen lebten im Wohlstand. Verschiedene Metalle wie Zinn und Kupfer wurden über das Mittelmeer und die Inseln transportiert.

Griechen und Römer

Um das 6. Jh. herum ließen sich Griechen auf Lipari und den anderen Inseln nieder, sie brachten ihre reiche Kultur mit. Doch nur wenige Jahrhunderte später wurde der Archipel von den Römern erobert. Ihre Herrschaft dauerte bis zum Ende des großen Römischen Reichs.

Araber, Normannen und Piraten

Eine ganz andere Kulturepoche läutete das 9. Jh. nach Christus ein, als die Araber den Liparischen Archipel eroberten, gefolgt von den Normannen 200 Jahre später. Der Normanne König Roger I., Herrscher von Sizilien, ließ auf Lipari nicht nur ein Benediktinerkloster erbauen, sondern auch die Kathedrale San Bartolomeo. Sie ist noch heute die bedeutendste Kirche auf der Insel.

Aber 1544 war es vorbei mit Frieden und Wohlstand und ein Alptraum begann für die Menschen. In jenem Jahr ankerte der osmanische Korsar Khair ad-Din Barbarossa mit seinen Kriegsschiffen vor Lipari. Er war der gefürchtetste Pirat seiner Zeit und die Insel hatte wenig zu ihrer Verteidigung zur Verfügung. Man versuchte, sich mit ihm zu einigen – vergebens. Er überfiel mit seinen Mannen die Insel und wer nicht den Säbeln der Piraten zum Opfer fiel, wurde gnadenlos gefangen genommen und gewinnbringend in die Sklaverei verkauft. Nach diesem Gemetzel war die Insel entvölkert und erst im 17. Jh. siedelten sich wieder Menschen an.

Das 20. Jh. und heute

Mitte des 20. Jh. wurde Lipari unter der Herrschaft Mussolinis zum Verbannungsort und Internierungslager für politische Gefangene und Kriminelle. Es wurde erst 1943 endgültig geschlossen.

Die Menschen, die heute nach Lipari kommen, kommen freiwillig, sie genießen das pittoreske mediterrane Ambiente und genießen Ruhe und Abgeschiedenheit. Einen Flughafen gibt es nicht, der Archipel ist nur per Schiff erreichbar.

Der Reichtum der Insel Lipari – Gestern

Eine blühende Wirtschaft, Wohlstand und Reichtum verdankte die kleine Insel bereits in der Steinzeit einem vulkanischen Produkt, das damals heiß begehrt war – Obsidian.

Obsidian – Das ’schwarze Gold‘ der Steinzeit

Vereinfacht ausgedrückt, ist Obsidian das Material, das bei einer Eruption aus dem Vulkanschlund herausgeschleudert wird – Lava. Kühlt und erstarrt sie extrem schnell, entsteht Obsidian. Diese Lava enthält wenig Gas und Wasser und wird nach dem Abkühlen schwarz und schwer. Dadurch können auch keine Kristallstrukturen entstehen.

Das Endprodukt Obsidian ist sogenanntes Vulkan- oder Gesteinsglas. Es ist glatt, sehr hart und verfügt über extrem scharfe Kanten. Deshalb war es in der Steinzeit, als man noch keine Metalle kannte, ein kostbares Material, das zur Herstellung von Waffen und Werkzeugen diente. Der Handel damit brachte der Insel großen Reichtum.

Hinzu kommt, dass Obsidian normalerweise nicht in großflächigen Vorkommen zu finden ist. Lipari ist hier eine Ausnahme, denn auf der Insel gibt es – bedingt durch den starken Vulkanismus – gleich zwei sogenannte Obsidianströme.

Bimsstein

Bimsstein brachte Lipari – ebenso wie früher der Obsidian – wirtschaftlichen Aufschwung. Auch dieses Gestein ist nichts anderes als vulkanisches Auswurfmaterial. Doch diese Lava ist zähflüssiger und entsteht, wenn eine Eruption sehr gasreich ist. Erstarrt die Lava relativ schnell, erhält sie durch das Gas zahlreiche Poren und wird sozusagen dadurch aufgeschäumt. Die rauhe und poröse Struktur sowie die damit verbundene geringe Dichte sorgen dann im ausgehärteten Zustand dafür, dass das Gestein unheimlich leicht ist und – im Gegensatz zu Obsidian – im Wasser schwimmen kann.

Die Bimssteinvorkommen auf Lipari sind sehr groß, knapp 25 % der Insel bestehen daraus. Die Ablagerungen sind stellenweise bis zu 300 m dick. Der Abbau erfolgte im Norden und Nordosten der Insel und war einst bedeutender Wirtschaftsmotor und Garant für Wohlstand. Für die Arbeiter dagegen war es ein nicht ungefährlicher Job. Der äußerst feine Staub, der beim Abbau entstand, verursachte eine Art Staublunge, die das Leben der dort Arbeitenden stark verkürzte.

Heute dagegen ist die Konkurrenz der Billiglohnländer sehr groß, der Abbau wurde unrentabel und 2007 endgültig eingestellt. In der Gegend von Porticello im Nordosten der Insel fällt das strahlende Weiß des Abbaugebietes ins Auge und still vor sich hin rostende Förderbänder erzählen die Geschichte der einst blühenden Bimssteinindustrie.

Früher wurde Bimsstein benutzt als Schleifmittel für Hornhaut oder als Poliermittel wie etwa in Zahncremes. Heute dagegen findet er Verwendung, um den bei Jeans so beliebten „stone washed“-Zustand zu erreichen. Aber auch in der Industrie wird das Material wegen seiner Wärmedämmfähigkeit verwendet.

Quelle: Photo wurde veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz 4.0 – Autor: Kritzolina

Der Reichtum Liparis – Heute

Als Schneidewerkzeug hat Obsidian heutzutage ganz sicher ausgedient, doch er findet weiterhin Verwendung – allerdings in einer ganz anderen Form: wunderschöner Schmuck aus dem hochglänzenden tiefschwarzen Vulkanglas wird in jedem Souvenirladen angeboten. Mit ein bisschen Glück findet man sogar eine Kreation aus Schneeflocken-Obsidian – einem schwarz-weiß-gemusterten Stein, der an Schneeflocken auf schwarzem Samt erinnert. Ein Geologe würde es vermutlich sachlicher formulieren: Die weißen Flecken sind Mineralien-Einschlüsse im Obsidian.

Lipari und seine Sehenswürdigkeiten

Bereits bei der Anfahrt auf die größte Insel des Archipels erkennt man die mächtige Festung, die auf einem Hügel über dem Ort thront, der sich wie schutzsuchend daran zu schmiegen scheint. Von der Anlegestelle der Fähren erreicht man in wenigen Gehminuten das Zentrum.

Marina Corta

Wer mit einem Kreuzfahrtschiff Lipari besucht, wird mit Tenderbooten übergesetzt und geht im kleinen Hafen Marina Corta an Land. Der romantische Hafen ist so etwas wie das Wohnzimmer von Lipari-Stadt.

Es ist wirklich malerisch hier. An der Pier schaukeln kleine bunte Fischerboote. Der Platz wird gesäumt von Cafés, Restaurants und Geschäften. Wer hier Urlaub macht, hat Zeit und lässt an der Marina Corta den Tag entweder gemütlich mit einem Capuccino beginnen oder abends bei einem Glas Malvasia-Wein ausklingen.

Als ich zum ersten Mal dort war, Anfang April, erwachte der Ort erst ganz langsam aus seinem Winterschlaf. Beim Bummel durch die engen, verwinkelten Gassen entfaltet sich der ganze mediterrane Zauber. Überall an den Hauswänden stehen grüne Topfpflanzen, hoch über meinem Kopf spannen sich Wäscheleinen über die Straße, flattert die Wäsche im sachten Wind.

Hin und wieder knattert eine Vespa um die Ecken, steht ein Wirt vor seinem winzigen Restaurant mit 2 Tischen vor der Tür und wartet auf Gäste. Ein Verkäufer vor seinem Souvenirladen genießt die wärmende Frühlingssonne und aus einer winzigen Bäckerei dringt appetitlicher Duft nach frischem Brot und Hörnchen. Nach einem gemütlichen Capuccino geht es auf Entdeckungstour.

Chiesa di San Giuseppe

An die Marina Corta schließt gleich die Piazza Sant’Onofrio an. Dort steht die kleine Kirche Chiesa San Giuseppe. Geht man die paar Stufen hoch, so hat man einen hübschen Blick auf Hafen, Platz, Fischerboote und, gegenüberliegend auf dem Stadtberg, die alte Festung, Il Castello .

Die Kirche stammt aus dem 16. Jh. und wurde dem Hl. Joseph geweiht. Innen ist sie in sehr schönem Barockstil gestaltet und man sagt, dass früher die sterblichen Überreste des Heiligen Bartholomäus hier aufbewahrt wurden.

Nur einen Steinwurf entfernt steht auch die Statue des Heiligen an der Marina Corta und grüßt alle, die hier an Land gehen.

Chiesa delle Anime del Purgatorio

Auf einer winzigen Landzunge an der Marina Corta steht ein weiteres, recht unscheinbares Kirchlein, die Chiesa delle Anime del Purgatorio, übersetzt die Kirche der Seelen im Fegefeuer. Man vermutet, dass sie etwa aus dem 13. Jh. stammt. Sie wurde bei dem grausamen Piratenüberfall 1544 zerstört und später wieder aufgebaut. Gewidmet wurde sie den Opfern jener Katastrophe.

Ein Besuch lohnt: Drinnen steht eine große Krippe – Il Presepe del Mare. Sie zeigt in unglaublich vielen und liebevoll gestalteten Details die Miniaturausgabe von Marina Corta.

Die Festung – Il Castello

Auf dem 60 m hohen Hügel erhebt sich die Festung, Il Castello. In der Antike war hier der Sitz der Akropolis, der Burgberg der Stadt. Von Marina Corta aus läuft man auf der Via Garibaldi nur ein paar hundert Meter inseleinwärts und biegt dann rechts ab in die Via Castello (Via del Concordato). Dort beginnt ein langer steiler Treppenweg, der direkt zur Festung und ihren Sehenswürdigkeiten hinaufführt.

Die Festungsanlage beinhaltet auch den ältesten Teil von Lipari-Stadt. Die einstigen Stadtmauern trennen gleichzeitig die beiden natürlichen Häfen Marina Corta und Marina Lunga.

Das wuchtige Castello wurde in seiner heutigen Form vom spanischen König Karl V. in Auftrag gegeben. Die wuchtigen Mauern sollten die Insel-Bewohner vor weiteren Piratenüberfällen schützen, um eine Katastrophe wie 1544 zu vermeiden. Einige Teile der Festung konnten bis in die römische und griechische Zeit zurückdatiert werden, der älteste der Türme soll gar aus dem 4. Jh. vor Christus stammen.

Innerhalb der Festungsanlage liegen das Museum, Park und Ausgrabungsstätte sowie die bedeutende Kathedrale San Bartholomeu. Neben ihr gibt es noch insgesamt 4 weitere kleine Kirchen, die bis heute nicht vollständig restauriert sind und teilweise auch nicht mehr als Gotteshäuser dienen, sondern etwa als Ausstellungsräume.

Als man in den 1940ern mit den Ausgrabungen begann, bot sich den Archäologen ein Traum. Im Lauf von Jahrtausenden hatten Wind und Wetter die verschiedenen Relikte alter Bauten mit Sand und Erde überlagert, so dass Schicht um Schicht der aufeinanderfolgenden Kulturen gut konserviert die Zeiten überdauerte. Das Bodenniveau wurde dadurch um mehrere Meter erhöht und die Forscher konnten mit Hilfe der ausgegrabenen Funde in den einzelnen Schichten die Geschichte bis zurück in die Steinzeit relativ gut dokumentieren.

Quelle: Photo wurde veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz 4.0 – Autor: Davide Mauro

Archäologisches Museum

Das Archäologische Museum auf Lipari ist weit über den Archipel hinaus bekannt und wurde 1954 von Luigi Bernabó Brea und Madelaine Cavalier gegründet. Verteilt auf mehrere Gebäude dokumentiert es die Fundstücke und Kulturen der einzelnen Epochen über einen Gesamtzeitraum von 7.500 Jahren.

Der Stolz des Museums ist eine Sammlung von griechischen Theatermasken aus der Antike. Sie wurden aus Ton geformt und für Dramen und Komödien benutzt.

In der Abteilung für Unterwasserarchäologie entdeckt man eine Pyramide aus 160 tönernen Amphoren. Sie wurden aus verschiedenen Schiffswracks, die in den Gewässern der Liparischen Inseln versanken, geborgen. Sie wurden einst benutzt für den Transport von Wein, Kapern, Öl oder Salz.

Auch bronzezeitliche Gräber mit Grabbeigaben wurden originalgetreu rekonstruiert. Wunderbare Keramiken, Waffen, Gebrauchsgegenstände oder Schmuck und herrliche Vasen gewähren Einblicke in das Leben der Menschen jener Zeit und ihre weitreichenden Handelsbeziehungen im Mittelmeerraum.

Eine andere Abteilung ist der ‚feurigen‘ Entstehungsgeschichte der Inseln gewidmet. Dort erfährt man alles über Vulkanismus, nicht nur allgemein, sondern auch detailliert für jede Insel des Archipels.

Archäologische Zone und Parco Archeológico

In beiden Bereichen kann man Ruinen von Bauwerken aus verschiedenen Epochen, von der Bronze- bis zur Römerzeit besichtigen, sowie diverse Sarkophage aus der griechischen und römischen Ära. Vervollständigt wird das Ganze vom Nachbau eines kleinen antiken Amphitheaters, das heute im Sommer gerne für Veranstaltungen benutzt wird.

Ausgrabungen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Schichten
Ausgrabungen aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Schichten

Kathedrale San Bartolomeo

Im Herzen der Burganlage thront die Kathedrale San Bartolomeo. Sie ist die mächtigste und größte von den insgesamt fünf Kirchen im Bereich der historischen Festung. Und sie ist auch das bedeutendste Gotteshaus, nicht nur für Lipari, sondern für den gesamten Archipel. Sie ist dem Hl. Bartholomäus geweiht, der der Schutzpatron der Äolischen Inseln ist. Er soll als Märtyrer in Kleinasien gestorben sein. Einer Legende nach soll der Sarg mit seinem Körper ins Meer geworfen und in Lipari gestrandet sein. Dort hat man ihn beerdigt und über seinem Grab eine Kirche errichtet.

Den Forschungen nach wurde das Gotteshaus ursprünglich auf den Ruinen eines antiken griechischen Tempels erbaut und 838 von den arabischen Eroberern zerstört. Erst unter der Herrschaft des Normannen Roger I. wurde die Kirche 1083 wieder aufgebaut, aber beim Piratenüberfall von Khair ad-Din Barbarossa erneut dem Erdboden gleichgemacht. 1654 wurde die Kirche ein weiteres Mal aufgebaut, lediglich die Fassade hat man 1861 nach einem Blitzeinschlag noch einmal verändert.

Innen präsentiert sich die dreischiffige Kirche im Barockstil. Das Mittelschiff besitzt ein Kreuzgewölbe, das mit einzigartigen Fresken bemalt ist. Sie zeigen verschiedene Szenen aus dem Alten Testament. Der Altar beinhaltet eine silberne Statue des Inselheiligen.

Der normannische Kreuzgang

Zur Kathedrale gehört auch ein Kreuzgang. Er stammt aus dem 12. Jh., der Zeit der Normannen. Unter Roger I., Herrscher von Sizilien, hatten die Benediktiner ein Kloster gebaut. Ein gewaltiger Erdrutsch verschüttete später den Kreuzgang. Er wurde erst 1978 bei archäologischen Grabungen wieder entdeckt.
Man hat ihn restauriert und wer die Kathedrale besucht, sollte es nicht versäumen, von dort aus auch den normannischen Kreuzgang zu besichtigen. Um den kleinen Innenhof gruppieren sich Arkaden mit trutzigen Säulen, jedoch alle völlig unterschiedlich gestaltet. Zum Teil sind an ihnen noch archaische Darstellungen von verschiedenen Tieren erkennbar.

Kulinarische Genüsse auf Lipari

Neben kulturellen Sehenswürdigkeiten warten mancherlei kulinarische Spezialitäten auf ihre Entdeckung. Als Beispiele seien hier nur der Malvasia oder Limoncello erwähnt. Typisch für die herzhafte Küche sind Kapern. Die phantastischen süßen Verführungen wie etwa Gebäck aus Mandeln und Marzipan sind ein Erbe der einstigen maurischen Herrscher. In einem gesonderten kulinarischen Beitrag werde ich mehr darüber berichten.

Fazit

Lipari mag nicht ganz einfach zu erreichen sein, doch es ist – jedenfalls für mich – ein Ort zum Seele baumeln lassen, eine zauberhafte Insel, die Kultur, Natur und herrlich mediterran-sizilianische Küche bietet. Vielleicht könnte man Lipari und auch die übrigen sechs Perlen tatsächlich noch als einen der letzten Geheimtipps im Mittelmeer bezeichnen. Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt.

Lipari in Kürze

Die Heimat des Äolus

Eine ’steinreiche‘ Insel

Kleinod im Tyrrhenischen Meer

Der vielleicht letzte Geheimtipp im Mittelmeer!

<<<-Das alles in meinem Artikel!

Lipari, Äolische Inseln, Italien

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