Guggenheim-Museum-Bilbao

Das Guggenheim-Museum-Bilbao sorgte dafür, dass sich Bilbao, die einstige graue Industriestadt im nordspanischen Baskenland, vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan entwickelte. Das Guggenheim-Museum-Bilbao ist ein Museum für moderne Kunst – aber was für eines! Das Gebäude selbst ist mit seiner spektakulären Architektur schon ein Kunstwerk für sich, das wie eine überdimensionale Skulptur wirkt. Das Guggenheim-Museum-Bilbao ist heute DAS Wahrzeichen der Stadt.

Bis es aber soweit war, mussten viele Hindernisse überwunden werden. Nicht alle Einwohner der Stadt waren damit einverstanden und gingen auf die Barrikaden. In ihren Augen war der Plan geradezu unfassbar! Schließlich gab es in ihrer vom industriellen Niedergang gezeichneten Stadt ungleich notwendigere wirtschaftliche Projekte als ein ambitioniertes Museum für moderne Kunst. Rückwirkend betrachtet, ist die Geschichte des Guggenheim-Museums in Bilbao und seiner Entstehung eine der spannendsten überhaupt.

Guggenheim-Museum-Bilbao – Warum gerade im Baskenland in Nordspanien?

Noch im 19. Jh. war Bilbao eine wichtige Industriestadt, die Hochöfen, in denen das Eisenerz aus der Region verarbeitet wurde, glühten Tag und Nacht und bescherten der Stadt Reichtum. Doch in den 1970ern begann der wirtschafliche Niedergang. Die technischen Entwicklungen schritten schnell voran und Bilbao konnte nicht mithalten. Viele Fabriken und Eisenhütten waren veraltet und mussten schließen, unzählige Menschen verließen die Stadt auf der Suche nach neuen Perspektiven.

Unglücklicherweise hatte sich Bilbao zu einem Zentrum der baskischen Separatistenorganisation ETA entwickelt, Terroranschläge waren an der Tagesordnung. Von Kunst war man in diesen Zeiten weit entfernt. Die Stadt verkam immer mehr.

In den 1990ern erfuhren die Stadtverantwortlichen von Bilbao, dass die US-amerikanische Guggenheim-Stiftung New York auf der Suche nach einer Dependance in Europa war und bereits an verschiedenen Städten Interesse gezeigt hatte. Bilbao beschloss, in das Rennen um das neue Guggenheim-Museum einzusteigen und erhielt final tatsächlich den Zuschlag.

Die Stadt gab das Bauareal und das Geld für den Bau, die Guggenheim Foundation sollte im Gegenzug die Kunst liefern und das Management übernehmen. Mit dem Guggenheim-Museum-Bilbao und dem weltberühmten Namen Guggenheim, erhoffte man sich frischen Wind für Bilbao.

Das Projekt polarisierte die Bevölkerung ungemein und schlug hohe Wellen. Viele plädierten dafür, das dafür veranschlagte Geld lieber in die Sanierung der Stadt und die Ankurbelung der Wirtschaft zu stecken als in ein nutzloses Prestige-Objekt. Aber allen Unkenrufen zum Trotz kam es anders. Sollten die Stadtverantwortlichen Recht behalten?

Guggenheim-Museum-Bilbao – Am Anfang stand eine Idee

Den Zuschlag für den Bau erhielt der US-amerikanisch-kanadische Architekt Frank O. Gehry. Er war erst 1989 mit dem Bau des Vitra Design Museums in Weil am Rhein international bekannt geworden. Es war sein erstes Gebäude überhaupt in Europa. 1993 begann er mit dem Bau des Guggenheim-Museums-Bilbao. Es sollte eines seiner spektakulärsten Werke werden und sogar zu einer völlig neuen Wortschöpfung führen.

Frank O. Gehry und der Dekonstruktivismus

Der weltberühmte Architekt Frank O. Gehry gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter dieser Stilrichtung. Auch sein Wohnhaus in Santa Monica baute er auf diese Art und Weise um. Sein erster Auftragsbau im Stil des Dekonstruktivismus war dann das Vitra-Design Museum in Weil. Das repräsentative Guggenheim-Museum-Bilbao sollte ebenfalls in diesem Stil entstehen.

Dekonstruktivismus – Was kennzeichnet diese besondere Architektur-Strömung?

Sie entstand in den 1980ern. Gebäude in diesem Stil sehen aus, als ob herkömmliche Geometrie, Gesetze der Statik, gerade Linien, eine gewohnte Art von Ordnung ausser Kraft gesetzt wären. Typisch sind Strukturen, die auf den ersten Blick eigentlich unmöglich erscheinen und doch funktionieren. Das gesamte Bauwerk erweckt einen fragilen und instabilen Eindruck, als habe man es in einzelne Fragmente zerlegt – dekonstruiert – und völlig unpassend erneut zusammengesetzt.

Beispiele sind schräge Wände, wellenförmige Fassaden, Rundungen, wo sie der Betrachter nicht erwartet. Beim Dekonstruktivismus ist ein Dach nicht einfach nur ein Dach, ein Zweck-Element zum Schutz der Innenräume, sondern es wird zu einem individuellem Kunst-Element mit einem außergewöhnlichen Design.

Auch das Spiel von Licht und Schatten und die eigenwillige Kombination verschiedenster Baumaterialien kennzeichnen den Dekonstruktivismus. Neben Frank O. Gehry sind weitere berühmte Vertreter dieser Architekturströmung Zaha Hadid oder Daniel Libeskind.

Das Guggenheim-Museum-Bilbao – Die Umsetzung

Am Anfang standen nur verschiedene aussdrucksstarke Papierskizzen von Frank O. Gehry wie das künftige Guggenheim-Museum-Bilbao aussehen könnte. Dann wurde ein Modell erstellt. Möglich wurde diese augenfällige Architektur durch die Entwicklung einer Software – CATIA –, die aus der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie aus der Laserchirurgie stammt.

Damit konnten komplizierte Berechnungen von gebogenen Linien und Flächen erstellt werden. Gehry war mit dieser Software in der Lage, seine Papierskizzen am Computer zu realisieren und ein originalgetreues Modell zu erstellen. Auch gelang es ihm damit, die Stabilität des späteren Bauwerks zu analysieren wie etwa tragende Stahlkonstruktionen oder das Verhalten der geplanten Baumaterialien.

Kosten und Materialaufwand für das Guggenheim-Museum-Bilbao konnten dadurch besser berechnet werden. Im Hinblick auf das künftige sehr unorthodoxe und eigenwillige Museumsgebäude waren das Faktoren, die der Erbauer nicht außer Acht lassen durfte. Ohne diese technische Unterstützung wäre die Realisation vielleicht nicht möglich gewesen.

Das äußere Erscheinungsbild des Guggenheim-Museums in Bilbao

Der silbrig glänzende Blickfang ist ein Aushängeschild für Bilbao und ein Anziehungspunkt für unzählige Besucher aus dem In- und Ausland. Frank O. Gehry ist hier ein Meisterwerk aus Titan, Kalksandstein, Glas und Stahl gelungen.
Aus der Ferne wirkt es wie die hypermoderne Collage eines Künstlers. Dazu trägt auch die Verkleidung der Fassade aus Titan bei.

Warum verwendete Frank O. Gehry ausgerechnet Titan?

Eigentlich schwebte ihm etwas anderes vor, nämlich Edelstahl mit Kupfer, doch nach einigen Überlegungen entschied er sich letztendlich für die silbern glänzenden Titanplatten. Sie geben dem Gebäude das gewisse Etwas nicht nur an sonnigen Tagen, sondern sie schimmern auch an den vielen grauen und trüben Tagen, die es im nördlichen Spanien öfter gibt.

Weitere Pluspunkte waren für ihn

  • das geringe Gewicht
  • die gute Formbarkeit des Materials
  • seine Rostbeständigkeit
  • und natürlich auch die Kosten

Für die komplette Fassade wurden final insgesamt 33.000 hauchdünne Titanplatten benötigt, die man ähnlich wie Fischschuppen überlappend an dem Gebäude anbrachte.

Die ungewöhnliche Form des Guggenheim-Museums-Bilbao

Beim Entwurf des Gebäudes ließ sich Frank O. Gehry von der Lage und der einstigen Geschichte der Stadt Bilbao inspirieren. Das Guggenheim-Museum-Bilbao wurde auf einem ehemaligen Werftgelände am Ufer des Nervión errichtet – ein Hinweis auf das nahe Meer und Bilbaos Funktion als Hafenstadt. Die Titanverkleidung dagegen erinnert an die einstige Blütezeit der Stahlindustrie. Farbe und schuppenförmige Anbringung der Titanplatten symbolisieren Fische.

Die Wirkung ist phantastisch – das Bauwerk wirkt selbst wie eine überdimensionierte Skulptur, die je nach Tageszeit und Lichtverhältnissen mal kühl silbern, mal golden strahlt. Es ist besonders abends ein Hingucker par excellence, wenn sich die untergehende Sonne in den geschwungenen Formen widerspiegelt.

Wer vor dem Guggenheim-Museum-Bilbao steht, wird feststellen, dass es unglaublich vielschichtig ist. Je nachdem, wo der Beobachter steht, wirkt die Form des Gebäudes immer wieder anders, aber nie gleich. Es wirkt, als hätte es weder Anfang noch Ende, weder vorne noch hinten. Man kann es komplett umrunden und entdeckt immer wieder neue Perspektiven.

Die Eröffnung des Guggenheim-Museums-Bilbao

Nach vier Jahren Bauzeit war das Kunstwerk fertig. Am 18. Oktober 1997 wurde die neue Zweigstelle des Guggenheim-Museums New York vom damaligen König Juan Carlos feierlich eröffnet. Von Anfang an war das Guggenheim-Museum-Bilbao ein Renner. Aus der ursprünglich von der Stiftung New York anvisierten Zahl von einer halben Million Besucher jährlich wurde schnell mehr.

Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung kamen 1,3 Mio. Menschen, um das neue Wahrzeichen Bilbaos zu besichtigen. Bis heute reißt der Strom der Kunst- und Architekturbegeisterten, die zum Guggenheim-Museum-Bilbao pilgern, nicht ab. Alle Erwartungen wurden mehr als übertroffen!

Das Guggenheim-Museum-Bilbao und seine ‚inneren Werte‘

Auch wer sich nicht für moderne Kunst interessiert, sollte wenigstens einen Blick in das Guggenheim-Museum-Bilbao hineinwerfen. Denn die Architektur ist nicht nur von außen spektakulär, sondern auch im Inneren.

Das Museum wurde auf einer Fläche von 24.000 m² erbaut, davon sind allein 9.000 m² reine Ausstellungsflächen. Alle Bereiche sind lichtdurchflutet, hell und weitläufig. Wer sich umsieht, wird in den Ausstellungsräumen keinerlei Säulen entdecken, die das Gewicht der Decken tragen. Auch diese spezielle Statik-Bedingung konnte Frank O. Gehry mit Hilfe der Software CATIA lösen.

Das Atrium

Der Mittelpunkt im Guggenheim-Museum-Bilbao ist das Atrium mit seiner luftigen Höhe von stolzen 50 m. Riesige Glaswände und ein Oberlicht sorgen für Helligkeit und verbinden gleichzeitig das Außen mit dem Innen. Um das Atrium herum wurden 20 Galerien, verteilt auf drei Ebenen, angelegt. Dorthin gelangt man über geschwungene Gehwege, Treppen oder gläserne Aufzüge. Klassische Proportionen, rechtwinklige und gebogene Linien wechseln sich harmonisch ab.

Die Ausstellungen

Neben verschiedenen Dauerausstellungen von bedeutenden Künstlern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es wechselnde Ausstellungen mit bekannten Namen wie etwa Andy Warhol.

‚The Matter of Time‘

Ein Beispiel dafür ist die Dauerausstellung ‚The Matter of Time‘ von Richard Serra. Er ist ein amerikanischer zeitgenössischer Bildhauer, der auch schon auf der berühmten ‚documenta‘ in Kassel ausgestellt hat. Seine Installationen im Guggenheim-Musuem-Bilbao bestehen aus überdimensionalen Stahlplatten, die von der Anordnung her ein wenig an ein Labyrinth erinnern und die man begehen kann.

Die Befürchtung der spanischen und baskischen Künstler, durch das Guggenheim-Museum-Bilbao für moderne Kunst ins Abseits gedrängt und übergangen zu werden, erwies sich als unbegründet. Sie bekamen eine eigene Abteilung im Museum.

Das Guggenheim-Museum-Bilbao und seine Kunstwerke unter freiem Himmel

Moderne Kunst gibt es auch draußen zu bestaunen. Spazieren Sie einmal um das Gebäude herum und entdecken Sie die verschiedenen Attraktionen. Sie werden feststellen, dass es sich dabei nicht gerade um ‚Kleinigkeiten‘ handelt, sondern durchwegs um Kunstwerke in monumentalen Dimensionen.

‚Maman‘ – Die Riesenspinne

Ein Objekt, bei dem sich so mancher ein bisschen gruselt, ist die Skulptur der Riesenspinne ‚Maman‘ von Louise Bourgeois. Kein Wunder bei einer Höhe von über 9 m und einer Breite von etwa 10 m. Als Material verwendete die französische Künstlerin Stahl und Marmor. Aus Marmor sind die 26 Eier, die die Spinne in ihrem Bauch trägt.

Bei der Betrachtung fragte ich mich unwillkürlich, was die Künstlerin dabei wohl gedacht haben mag und warum ihre Wahl auf ein Tier fiel, das nicht unbedingt zu den beliebtesten und schönsten auf der Welt zählt.

Die Tatsache, dass Louise Bourgeois die Spinnen-Skulptur ihrer Mutter widmete, ist zunächst befremdlich. Doch es steckt eine berührende Geschichte dahinter. Die Künstlerin hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihrer leider zu früh verstorbenen Mutter. Sie arbeitete als Restauratorin von Wandteppichen und ihr Arbeitsmaterial bestand aus Geweben und Fäden. Auch Spinnen weben ihre Netze und Fäden. Louise Bourgeois schrieb sogar eine ‚Ode an meine Mutter‘ (Ode à ma mère), in der sie diese mit einer Spinne verglich.


„The Spider is an ode to my mother. She was my best friend. Like a spider, my mother was a weaver. Like spiders, my mother was very clever. Spiders are friendly presences that eat mosquitoes. We know that mosquitoes spread diseases and are therefore unwanted. So, spiders are helpful and protective, just like my mother.“

„Die Spinne ist eine Ode an meine Mutter. Sie war meine beste Freundin. Wie eine Spinne war meine Mutter eine Weberin. Meine Mutter war wie Spinnen sehr schlau. Spinnen sind freundliche Tiere, die Mücken fressen. Wir wissen, dass Mücken Krankheiten verbreiten und daher unerwünscht sind. Spinnen sind also hilfreich und beschützend, genau wie meine Mutter.“

Zitat von der Tate Gallery, die ebenfalls ein Spinnen-Exemplar ausstellte.

Weitere Bronzeabgüsse von ‚Maman‘ finden sich in der ganzen Welt, von Kanada, USA, bis nach Zürich, Hamburg, St. Petersburg oder Tokyo.

‚Puppy‘ – Ein Blumenbeet in Hundewelpen-Form

Ungleich niedlicher als die gruselige Spinne ‚Maman‘ ist der Blumenwelpe ‚Puppy‘. Er hält seit der Eröffnung des Guggenheim-Museums-Bilbao 1997 unverändert Wache. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein romantisch-kitschiger Kontrastpunkt zum hypermodernen kühl-sachlichen Museumsbau. Aber ‚Puppy‘ hat es im wahrsten Sinn des Wortes in sich!

Der erste Eindruck weckte zunächst bei mir spontan die Erinnerung an die blühenden Kunstwerke einer Gartenschau. Aber ‚Puppy‘ hat mehr zu bieten. Der vom Kopf bis zur Schwanzspitze mit Blumen geschmückte Welpe ist über 12 m hoch. Als Modell diente dem US-amerikanischen bekannten Bildhauer Jeff Koons ein echter Westhighland-Terrier. Mit ‚Puppy‘ wollte Koons eine Verbindung schaffen zwischen der Moderne und der Gartenbaukunst des 18. Jh.

Romantische Blütenpracht und modernes Hightech

Um die komplizierten Formen zu realisieren, nutzte Jeff Koons – ähnlich wie Frank O. Gehry – eine spezielle Software. Auf einen Betonsockel wurde zunächst eine Stahlkonstruktion in Hundeform aufgesetzt. Darüber wurden ein Drahtgeflecht gelegt, eine Schicht Rasen sowie ein spezielles Gewebe, das den Rasen fixiert und für das Wachstum der Pflanzen sorgt. Für die Bewässerung – es sind alles echte Blumen – sorgt ein kompliziertes Rohrsystem im Innern der Skulptur.

Zweimal im Jahr – im Mai und im Oktober – werden die bunten Blüten ausgetauscht und saisonal angepasst wie etwa Stiefmütterchen, Begonien, Petunien und andere. Für das neue Blumenkleid benötigen 20 Gärtner 9 Tage sowie rund 38.000 Blühpflanzen.

‚Tulips‘ – Ein bunter Strauss

Jeff Koons schuf neben ‚Puppy‘ noch ein weiteres Kunstwerk für das Guggenheim-Museum-Bilbao – die ‚Tulips‘. Es dürfte nicht nur der größte Tulpenstrauss weltweit sein, sondern auch der teuerste – zweifellos ein Werk, das ins Auge springt und vor dem man gerne ein Weilchen stehen bleibt. Die Blütenkelche der Frühlingsblumen sind quietschbunt, hochglänzend und wirken ein wenig wie überdimensionierte lackierte Luftballons wie sie häufig auf Jahrmärkten verkauft werden.

Für die ‚Tulips‘ verwendete Jeff Koons Edelstahl – und wie ‚Puppy‘ – sind auch die Tulpen überdimensioniert. Die insgesamt sieben Blumen sind 5 m lang und wiegen 500 kg.

Hergestellt wurden die Riesenblumen nicht etwa in Spanien oder den USA, der Heimat Koons, sondern in Deutschland! Der Familienbetrieb Arnold AG in Thüringen soll 275 Arbeitswochen benötigt haben, um zunächst das Material und dann den Strauss zu fertigen.

‚Tall Tree & the Eye‘ – Ein Baum aus Kugeln

Die silbern glänzende Skulptur steht wie auf einer kleinen Insel in einem großen Wasserbecken. Geschaffen hat sie der in Indien geborene Brite Anish Kapoor, der zu den renommiertesten Künstlern unserer Zeit gehört. Seine monumentale Installation aus rostfreiem Edelstahl – 13 m hoch und 5 m breit – besteht aus insgesamt 73 hochglänzenden und zu Spiegeln polierten Kugeln, die scheinbar willkürlich zu einer Art Baum auf- und übereinandergestapelt sind. Gerade so, als ob ein Kind einen Turm aus Bauklötzchen errichtet hätte.

Doch der Schein trügt. Die Anordnung folgt bestimmten mathematischen und geometrischen Prinzipien sowie komplizierten Berechnungen. Jede dieser Kugeln ist auf 3 Achsen befestigt und spiegelt die benachbarte Kugel genauso wie die umgebende Stadt, den Nervión und die in der Nähe befindliche Brücke.

Ein Kunstwerk ähnlicher Art von Anish Kapoor durfte ich bei meinem Besuch in Chicago kennenlernen. Im Millenium-Park steht die ebenfalls spiegelpolierte Stahl-Skulptur ‚Cloud Gate‘. Die Chicagoer nennen sie allerdings liebevoll ‚The Bean‘, weil ihre Form tatsächlich an eine monumentale Kaffeebohne erinnert.

Der ‚Bilbao-Effekt‘

Das spektakuläre Guggenheim-Museum-Bilbao sorgte für tiefgreifende Veränderungen der Stadt, gekennzeichnet durch einen erfolgreichen Strukturwandel. Die einstigen Industrieanlagen entlang des Nervión wurden umgewandelt und renaturiert, der Hafen ein Stück weiter Richtung Meer verlegt.

Das in seiner Art revolutionäre Museum zog und zieht alljährlich unzählige Touristen an, die Geld in die Kassen der Stadt spülen. Es gibt schöne Einkaufsstraßen und Promenaden, eine restaurierte Altstadt, ein Unesco Weltkulturerbe – die älteste Schwebefähre der Welt aus dem Jahr 1893. Aus der heruntergekommenen Industriestadt entwickelte sich ein wirtschaftlich florierendes Kultur-, Messe- und Kongresszentrum.

Frank O. Gehry blieb nicht der einzige Stararchitekt, der seine Spuren in Bilbao hinterließ. Die neue Metro-Linie wurde von Norman Foster gebaut, der Flughafen und die weiße Fußgängerbrücke Zubizuri von Santiago Calatrava.

Heute wird diese typische Entwicklung – Kunst führt zu wirtschaftlichem Aufschwung – als ‚Bilbao-Effekt‘ bezeichnet.

Das Guggenheim-Museum-Bilbao und seine kleine unbekannte Schwester

Die wenigsten wissen, dass Frank O. Gehry neben dem weltberühmten Guggenheim-Museum-Bilbao auch noch so etwas wie eine ‚kleine Schwester‘ geschaffen hat – ebenfalls im Baskenland. In dem kleinen Ort Elciego schuf er für die dortige Weinkellerei Marqués de Riscal ein Hotel im gleichen Stil. Lediglich die Farben der Titanplatten sind anders. Sie schimmern in Rosa, Gold und Silber in Anlehnung an die Farben des Weingutes.

Hotel Marqués de Riscal - die 'kleine Schwester' des Guggenheim-Museums-Bilbao
Hotel Marqués de Riscal – die ‚kleine Schwester‘ des Guggenheim-Museums-Bilbao

Quelle: Photo wurde veröffentlicht unter der Creative Commons-Lizenz 4.0 – Autor: Roderich Kahn

Fazit

Viele Städte besitzen weltberühmte Wahrzeichen: Paris hat seinen Eiffelturm, Sydney seine Oper, Barcelona die Sagrada Familia und San Francisco die Golden Gate Bridge. Doch das Guggenheim-Museum-Bilbao ist sehr viel mehr: nicht nur ein Wahrzeichen, sondern ein Symbol für eine Stadt, die die Zeichen der Zeit erkannte und sich wie Phönix aus der Asche hob. Eine Stadt, die touristisch betrachtet, einst ein weißer Fleck auf der Karte war, wurde zu einem regelrechten Mekka der Kunst dank dem spektakulären Guggenheim-Museum-Bilbao.

Das Guggenheim-Museum in Bilbao in Kürze

Vom wirtschaftlichen Niedergang zum Mekka für Kunst

Der ‚Bilbao-Effekt‘: Eine Geschichte mit Happy-End

Kunst im Kunstwerk

Die kleine unbekannte Schwester des spektakulären Museums!

<<<-Das alles in meinem Artikel!

Bilbao im Baskenland, Nordspanien

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