Sansibar-Türen in Stone Town

Sansibar-Türen in Stone Town

Die Sansibar-Türen in Stone Town sind einzigartig und berühmt. Sansibar-Türen sind nicht einfach nur Haustüren, sondern sie erzählen Geschichten – über ihre einstigen Besitzer, über Stone Town, die Altstadt von Sansibar-Stadt (Zanzibar City) und über die verschiedenen Kulturen, die Stone Town und die Insel Sansibar (Unguja, Zanzibar) an der ostafrikanischen Küste geprägt haben.

Kommen Sie mit mir auf einen Spaziergang zu den Sansibar-Türen in Stone Town. Wir werden ganz gemütlich gehen, nicht nur wegen der Hitze hier – die zu Tansania gehörende Insel liegt in der Nähe des Äquators – sondern, weil es so unglaublich viele Details daran zu sehen gibt.

Die berühmten Sansibar-Türen können Sie beim Spazierengehen durch die Altstadt Stone Town entdecken. Wo man besonders viele dieser kulturhistorischen Türen finden kann, wann das Licht am schönsten ist und wie man sie gut fotografiert, darauf gehe ich weiter unten im Beitrag ein.

Karte der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar vor der ostafrikanischen Küste
Karte der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar vor der ostafrikanischen Küste

Kulturgeschichte & Architektur der Sansibar-Türen: Swahili, arabisch-omanische und indische Einflüsse

Als ich damals durch Stone Town spazierte, stellte sich mir die Frage, warum gerade hier diese fantastische Vielfalt, Konzentration und Einzigartigkeit der typischen Sansibar-Türen entstanden ist. Nun, dafür gab es verschiedene Gründe.

Die Kulturgeschichte dieser ganz besonderen Türen ist eng verbunden mit der Geschichte der Insel Sansibar und ihrer Hauptstadt. Über viele Jahrhunderte hinweg hatte sich Sansibar zu einem Knotenpunkt im westlichen Indischen Ozean entwickelt für den Handel zwischen Ostafrika, Arabien /Oman, Persien (heute Iran), Indien und später auch Europa.

Die unterschiedlichen Kulturen, die auf Sansibar lebten – Swahili, Araber /Omanis, Inder – brachten ihre Baustile und architektonischen Formen aus ihren jeweiligen Heimatländern mit. Sie alle errichteten massive Steinhäuser (stone houses) aus Korallenstein, aber aus den unterschiedlichsten Beweggründen und versahen sie mit den zu ihrer Kultur passenden Eingangstüren. So schufen sie Stone Town – die Steinerne Stadt, das urbane Herz der Insel, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert.

Stown Town, historisches Zentrum von Sansibar-Stadt
Stown Town, historisches Zentrum von Sansibar-Stadt

Als Stone Town im 19. Jahrhundert zur Hauptstadt wurde und gleichzeitig zu einem Haupthafen, entwickelte sich die Stadt rasant. Viele Neubauten entstanden, doch der Platz war begrenzt. Es gab nicht so viele Möglichkeiten, seinen Status in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Damit wurde der Eingang des Hauses gewissermaßen zur Visitenkarte. Größe, Material und kunstvolle Ausführungen korrespondierten mit dem Wohlstand des Hauseigentümers. So entstanden die heute berühmten Sansibar-Türen in Stone Town. Sie zählen zu den wichtigsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auf der Insel.

Die harmonische Verschmelzung der unterschiedlichen Kulturen findet sich architektonisch in manchen Türen wieder. So kann man auf einer arabisch-omanischen Sansibar-Tür durchaus auch dekorative indische Elemente entdecken. Hinzu kam, dass der Handel mit den verschiedenen Ländern und Kontinenten dafür sorgte, dass auch andere Materialien, Werkzeuge und Techniken ihren Weg in den Hafen von Sansibar fanden und sich dort auf die Gestaltung der Sansibar-Türen in Stone Town auswirkten. All das waren die wichtigsten Voraussetzungen, um diese oft wirklich opulenten und einzigartigen Türen zu schaffen.

Sansibar-Tür in Stone Town
Sansibar-Tür in Stone Town

Swahili Sansibar-Türen – lokale Traditionen und ostafrikanische Kultur

An den ostafrikanischen Küsten entlang von Somalia bis Mozambik entwickelte sich die Swahili-Kultur aus den dort lebenden Bantu-Völkern. Übersetzt bedeutet Swahili „Küstenbewohner“ und die Menschen dieser Kultur trieben intensiven Handel nicht nur entlang der Küsten, sondern auch transkontinental im Indischen Ozean mit Arabien oder Persien. Diese Swahili-Kultur war die ursprüngliche Grundlage für den Reichtum Sansibars und die Sansibar-Türen im Swahili-Stil.

Die Swahili, die älteste Kultur auf der Insel, bauten bereits im 18. Jahrhundert stabile Häuser aus dem vor Ort verfügbaren Korallenkalkstein. Dabei wurde streng darauf geachtet, öffentlichen und privaten Raum klar zu trennen. Die Grenze bzw. der Eingang war die entsprechend gestaltete Haustüre. Ein Steinhaus stand für Stabilität und Dauerhaftigkeit, aber auch für Wohlstand. Der Bau eines Steinhauses war damals teuer. Bei den Swahili galten Steinhäuser als Symbol für Stadt und Urbanität, während ein Lehmhaus oder mit Palmstroh gedeckte Bauten für den ländlichen Raum standen.

Ein typischer Brauch der Swahili-Architektur beim Hausbau war, dass als allererstes die Haustüre gesetzt wurde, nicht wie heute üblich Mauern und Wände. Die Eingangstüre markierte für die Swahili gewissermaßen das Herz des Hauses, sie war ein soziales Zeichen, sei es für die Bereitschaft, Gäste zu empfangen oder auch – im geschlossenen Zustand – abzulehnen. Sie stand für Status, Identität und Sicherheit – und zwar lange, bevor der Rest des Hauses fertig war. Türe und Haus zeigten das Prestige des Erbauers und Besitzers an.

Diese besondere Bedeutung der Haustüren in der Swahili-Architektur beschreibt auch die Kunsthistorikerin Nancy Ingram Nooter in ihrer Studie Zanzibar Doors als ‘erstes und wichtigstes Schlüsselelement der Swahili-Architektur‘ (engl.: first and foremost key element of Swahili architecture – Nooter, Nancy Ingram 1984, Zanzibar Doors. African Arts, Vol. 17, No 4, S. 34-06)

Swahili-Tür mit arabisch-omanischen Elementen
Swahili-Tür mit arabisch-omanischen Elementen

Arabisch-omanische Sansibar-Türen – Macht und islamische Kultur

Auch arabische Kaufleute trieben Handel und gründeten ab dem 8. Jahrhundert in Sansibar Niederlassungen. Die Araber brachten den Islam auf die Insel. Ihr heute noch zu sehendes Erbe sind die Sansibar-Türen im arabischen Stil.

Als dann ab dem 17. Jh. die Insel unter die Herrschaft des Omans kam und zum Sultanat von Oman und Sansibar wurde, entwickelte sich Sansibar vom Handels- Knotenpunkt zu einem politischen und wirtschaftlichen Schwerpunkt. Damit einher ging auch die städtische Entwicklung von Stone Town. Paläste entstanden, beeindruckende Steinhäuser und Moscheen wurden gebaut. So entstand eine höchst repräsentative Stadt, die den Rahmen bot für die entsprechende Gestaltung nicht nur der Häuser, sondern auch deren Eingangstüren, die heute berühmten Sansibar-Türen von Stone Town.

Bis ins 19. Jahrhundert schließlich war Sansibar reich und zu einer Drehscheibe geworden für den Handel, beispielsweise für Gewürze. Die Plantagen auf der Insel lieferten Gewürznelken, die hohe Gewinne brachten. Weitere Handelsgüter waren Elfenbein und Sklaven vom afrikanischen Festland. Die herausragendste Rolle dabei spielte der Sklavenhandel. Er war eine der bedeutendsten Quellen für den Wohlstand auf Sansibar. Die opulent gearbeiteten und üppig dekorierten Sansibar-Türen an den Häusern vieler Sklavenhändler dienten als Status-Symbol. Sie zeigten ihren großen Reichtum, nicht aber die dunklen Quellen seiner Herkunft.

Arabisch-omanische Sansibar-Tür mit Swahili-Elementen
Arabisch-omanische Sansibar-Tür mit Swahili-Elementen

Als Sansibar unter der Herrschaft des Omans zum Sultanat wurde, wurde Stone Town (heute Altstadt von Zanzibar City) zur Haupt- und -Residenzstadt des herrschenden Sultans. Auch die Araber / Omanis bauten Steinhäuser, aber größer, massiver und repräsentativer. Stone Town, die Steinerne Stadt entwickelte sich zu einem Symbol für ihre Herrschaft. Hier residierten die wohlhabenden Händler, Kaufleute und die Elite der Stadt.

Gebaut wurde in der Reihenfolge, wie wir es heute auch kennen: Zuerst wurde das Fundament gelegt, dann Wände, Türen und zum Schluss das Dach gesetzt. Die Türen bedeuteten eine klare Trennung zwischen dem öffentlichen Raum, der Straße und dem privaten Raum mit Innenhof – beides war der Familie vorbehalten.

Arabisch-omanische Sansibar-Tür
Arabisch-omanische Sansibar-Tür

Arabisch-omanische Haustüren wurden oft architektonisch überdimensioniert: Man arbeitete sie besonders groß, hoch und breit, schwer und imposant. Sie wurden besonders tief in die Wand eingelassen und bildeten damit auch ein tragendes Element für die Fassadenstruktur So dienten sie nicht nur als Status-Symbol, sondern boten auch Schutz, Sicherheit und zeugten von Wehrhaftigkeit.

Arabisch-omanische Sansibar-Türen besaßen eine besonders hohe Schwelle, man musste also achtsam und langsam eintreten, um nicht darüber zu stolpern. In der arabischen Kultur dienten einst solch hohe Schwellen sinngemäß als ein Ort der Begrüßung und zugleich der Entscheidung, ob das Eintreten erlaubt oder abgelehnt wird.

Typisch für die arabischen Sansibar-Türen ist auch das System der Doppeltüren – neben der gewaltigen Eingangstür gibt es noch eine darin integrierte kleinere Nebentüre, sozusagen eine Türe für den Alltagsgebrauch, die gleichzeitig auch eine gewisse Kontrolle ermöglichte.

Arabisch-omanische Tür mit repräsentativen Ornamenten
Arabisch-omanische Tür mit repräsentativen Ornamenten

Indische Sansibar-Türen (Gujarat-Türen) – Reichtum und opulente Handwerkskunst

Sansibar war durch seine strategisch gute Lage außerdem sehr attraktiv für indische Händler. Sie nutzten das altbekannte System der Monsun-Winde um ihre Reisen zwischen Indien und Ostafrika zu organisieren. Diese Inder waren nicht nur als Kaufleute aktiv, sondern sehr oft auch als Finanziers und Kreditgeber beispielsweise für die Gewürznelken-Plantagen. Die Inder kamen hauptsächlich aus Gujarat / Kuch in Westindien, einer alten, historisch gewachsenen Seehandelsregion. Für sie war Sansibar ein höchst profitabler Handels- und zugleich Finanzplatz. Auch sie schufen sich repräsentative Häuser und schmückten sie als Status-Symbol mit den typischen Gujarat-Türen – sie sind bis heute die Zeugen aus der Blütezeit des Handels mit Indien.

Auch die indischen Kaufleute ließen sich bevorzugt in der Steinernen Stadt nieder und bauten dort ihre kompakten Häuser, die oft auch mehrgeschossig waren. Diese waren nicht ausschließlich für die private Nutzung geplant, sondern dienten als Handelshäuser auch der kommerziellen Nutzung. Im Erdgeschoß spielte sich der Handel ab, in den Geschoßen darüber wurde gewohnt. Wer sich ein solches Bauwerk leisten konnte, galt als seriös, als kreditwürdig, hatte eine sehr gute wirtschaftliche Basis und daraus resultierend ein hohes soziales Ansehen.

Gujarat-Tür: Sansibar-Tür im indischen Stil
Gujarat-Tür: Sansibar-Tür im indischen Stil

Meistens waren die Gujarat-Türen oder indischen Sansibar-Türen aus sehr hochwertigen Hölzern mit feiner Maserung gebaut. In der indischen Kultur auf Sansibar galten die Türen ihrer Häuser als Ausdruck von Reichtum, Ansehen und sozialer Reputation. Die indischen Gujarat-Türen stellten die Visitenkarte des darin wohnenden Kaufmanns dar.

Sie fungieren – anders als bei den arabisch-omanischen Türen – nicht als Trennung zwischen öffentlicher Straße und privatem Raum, sondern als Übergang zwischen geschäftlicher Lokalität und privatem Wohnen. Die vergleichsweise niedrigen Schwellen der indischen Sansibar-Türen lassen den Eingang zugänglicher wirken, man könnte auch sagen, als Einladung, das Geschäft zu betreten.

Sansibar-Türen: Ornamentik, Materialien und Symbolik der arabisch-omanischen, indischen und Swahili-Kultur

Egal, ob Swahili-Türen, indische Türen (Gujarat-Türen) oder arabisch-omanische Türen – sie sind alle durch unterschiedliche Ornamentik, Materialien und Symbole ihrer jeweiligen Kultur und Tradition gekennzeichnet. Auch wenn sich hin und wieder Symbole der einen Kultur bei einer Tür der anderen Kultur wiederholen, so sind sie doch verschieden in ihrer jeweiligen Bedeutung.

Swahili-Türen

Die Swahili-Türen sind die ältesten Türen, sie stehen für das ursprüngliche Sansibar. Es wurde lokales Holz verwendet, denn das war verfügbar und konnte auch gut repariert werden. Der Stil der Swahili-Türen ist nicht überladen, sondern schlicht und zurückhaltend, er wird geprägt von klaren Linien und geometrischen Mustern. Sie besitzen keine üppigen Ornamente, weder aus Holz noch Metall. So gestaltete Swahili-Türen sind eher an den älteren und oft kleineren Häusern zu finden. Man könnte sagen, Swahili-Türen spiegeln ein wenig die afrikanische Seele wider. Sie sind die Wurzeln von Stone Town.

Als Dekoration sind bei den Türen der Swahili-Kultur Kettenmotive zu finden. Sie sind ein Symbol für die kulturelle Gemeinschaft und ihren Zusammenhalt. Seilmotive wiederum stehen für den Handel und das Meer. Dazu gehören auch Fisch- oder Muschel-Darstellungen. Einfach gestaltete Pflanzenmotive dagegen stellen den Kontext zum Land her.

Arabisch-omanische Tür mit Swahili-Ornamenten
Arabisch-omanische Tür mit Swahili-Ornamenten
Sansibar-Tür im arabisch-omanischen Stil
Sansibar-Tür im arabisch-omanischen Stil

Arabisch-omanische Türen

Die arabisch-omanischen Sansibar-Türen sind sehr ausgeprägt und dreidimensional gestaltet, mit oft tiefen Relief-Ornamenten. Dabei dient der Türsturz, also der obere Querbalken der Türe als Hauptdekorationsbereich.

Die Gestaltung der verschiedenen Motive ist klar der islamischen Tradition verhaftet. Da im Islam die Darstellung von Figuren oder Personen verboten ist, ist die Ornamentik dementsprechend ausgeprägt. So finden sich einerseits geometrische Muster, die für die Unendlichkeit stehen oder für die göttliche Ordnung. Andererseits aber auch wunderschön geschnitzte Rosetten und sternartige Formen. Sehr oft entdeckt man aber auch bei genauerem Hinsehen arabische Kalligrafie, Inschriften als Segensformen oder den Namen Allahs. Auch Koranzitate wurden in Türen geschnitzt.

Arabisch-omanische Tür mit arabischer Inschrift
Arabisch-omanische Tür mit arabischer Inschrift
Beispiel: Ornamentik arabisch-omanische Tür
Beispiel: Ornamentik arabisch-omanische Tür

Typisch für die arabisch-omanischen Sansibar-Türen sind die massiven und schweren Metallbeschläge, meist aus Messing oder Eisen, die aussehen wie riesengroße markante Nägel und oft über die ganze Tür verteilt sind. Man hat sie aber nicht allein zur Dekoration angebracht, sondern sie hatten auch eine Bedeutung für die Konstruktion dieser Sansibar-Türen. Da sie überdimensional groß und schwer sind und aus mehreren Holzlagen bestanden, sorgen diese großen Nägel für die Stabilität von Querbalken, Rahmen und Verbindungsstellen.

Sansibar liegt in den Tropen, also in einer feuchten und heißen Klimazone. Diese großen Nägel sollten verhindern, dass sich das Holz verzieht. Damit erhöht sich gleichzeitig auch der Eindruck von Massivität, Wehrhaftigkeit und Unangreifbarkeit. Eine Eigenschaft, die gerade in einer reichen Handelsstadt auf einer strategisch günstig gelegenen Insel wie Sansibar von besonderer Bedeutung ist.

Hinzu kam, dass damals Messing sehr teuer und vor Ort nicht natürlich verfügbar war, es musste also importiert werden. Wer sich das leisten konnte, demonstrierte Reichtum. Viele Nägel bedeuteten also auch Kapital, das der Besitzer gut sichtbar investiert hatte in seine Haustüre. Zwar finden sich ähnliche Türnägel auch auf der arabischen Halbinsel, etwa im Oman oder im Jemen und auch in Nordindien, doch hier in Stone Town auf Sansibar erhielten sie ihre ganz spezielle Form und extreme Größe.

Tür im arabisch-omanischen Stil mit Messingnägeln
Tür im arabisch-omanischen Stil mit Messingnägeln

Diese Form der Türgestaltung sollte Macht, Reichtum und Wehrhaftigkeit symbolisieren, genauso wie den Schutz der dahinter verborgenen Privatsphäre. Die arabisch-omanischen Sansibar-Türen waren aber auch ein Hinweis auf die herrschende Kultur – eine Demonstration von Macht in Holz und Metall.

Indische Türen oder Gujarat-Türen

Die indischen Sansibar-Türen oder Gujarat-Türen fallen dem aufmerksamen Spaziergänger ganz besonders ins Auge. Denn sie bestechen oft durch ihre feinen und unglaublich detaillierten Schnitzarbeiten. Sie besitzen oft eine nahezu überbordende Ornamentik. Die verwendeten Motive sind fantastisch und präzise ausgearbeitet – da steckt wirklich handwerkliche Perfektion und Liebe zum Detail dahinter. Hier kommen jahrhundertealte Holzschnitztraditionen aus Gujarat / Westindien zum Tragen – das Ganze auf der Basis einer recht strengen symmetrischen Anordnung.

Indische oder Gujarat-Tür in Stone Town mit detailliert-feinen und reichhaltigen Schnitzereien
Indische oder Gujarat-Tür in Stone Town mit detailliert-feinen und reichhaltigen Schnitzereien

Es lohnt wirklich, vor einer dieser indischen oder Gujarat-Türen ein Weilchen stehen zu bleiben und sich in die detailliert ausgearbeiteten Ornamente zu vertiefen. Ein ganz typisches Motiv ist die Lotusblüte, die man nicht nur auf der Türe selbst findet, sondern auch auf dem Rahmen. Lotus steht für Reinheit, Erneuerung oder auch Spiritualität.

Weiter lassen sich florale Ranken entdecken oder Bänder aus Blüten, die scheinbar endlos miteinander verschlungen sind und häufig die Türflügel umrahmen. Blüten stehen in der indischen Symbolik für Fruchtbarkeit und Wachstum. Im Vergleich zu Pflanzenmotiven auf den ostafrikanischen Swahili-Türen sind sie auf den indischen Sansibar-Türen sehr viel detaillierter und ornamentaler gestaltet.

Zur indischen Ornamentik auf diesen Türen gehören ebenso Rosetten, kreisförmige oder sternartige Formen, häufig im Zentrum der Tür oder eines Tür-Paneels. Sie repräsentieren Ordnung und kosmisches Gleichgewicht.

Türsturz einer Gujarat-Tür mit opulent gestalteten Ornamenten
Türsturz einer Gujarat-Tür mit opulent gestalteten Ornamenten
Indische Sansibar-Tür mit dekorativem Mittelpfosten und Messingnägeln
Indische Sansibar-Tür mit dekorativem Mittelpfosten und Messingnägeln

Ein wichtiges Gestaltungsmerkmal bei den indischen Sansibar-Türen ist die Symmetrie der Gestaltung. Sie steht für Ausgeglichenheit und Kontrolle. Was dagegen fehlt bei den Ornamenten dieser Türen sind figürliche Darstellungen von Menschen, Göttern oder auch Tieren und speziellen religiösen indischen Motiven. Das zeigt klar und deutlich, dass die indischen Händler, Kaufleute und Finanziers sich an die islamischen Gegebenheiten und die multikulturelle Gesellschaft auf Sansibar angepasst haben.

Im Unterschied zu den arabisch-omanischen Sansibar-Türen symbolisieren die indischen oder Gujarat-Türen zwar Wohlstand, Bildung und Ästhetik, aber keinen Machtanspruch. Vergleicht man sie mit den Swahili-Türen, so stellt man fest, dass bei der Gestaltung der indischen Sansibar-Türen das Augenmerk weniger auf der Demonstration der sozialen Gemeinschaft liegt, sondern vielmehr auf der wirtschaftlichen Kompetenz.

Gemeinsamkeiten & Verschmelzung der drei Stile Swahili, arabisch-omanisch und indisch

Ein gemeinsames Element aller drei Sansibar-Türen ist die Tatsache, dass sie alle handgefertigt sind, die Herstellung kostete – egal in welcher Kultur und mit welcher Technik – sehr viel Zeit und Arbeit. Es war stets eine Maßanfertigung, jede Tür ein Unikat. Das Wissen um die dekorative Gestaltung und Schnitzereien wurde in allen drei Kulturen von Generation zu Generation weitervererbt.

Auch das Hauptmaterial – Holz – war bei allen identisch, es ist ein recht langlebiges Material und die Türen waren für ihre jeweiligen Besitzer eine gewisse Investition. Über alle drei Kulturen hinweg einte jedoch ein Kriterium die Besitzer jener Häuser und prächtiger Türen ganz besonders – ihr Wohlstand.

Der aufmerksame Besucher wird darüber hinaus feststellen, dass es nicht immer ganz einfach ist, die Tür einer der drei Kulturen eindeutig zuzuordnen. Das liegt daran, dass im Lauf der Zeit die Stile miteinander vermischt und kombiniert wurden. So sind zwar die großen Messingnägel arabischen Ursprungs, wurden aber von indischen Metallhandwerkern entsprechend in indischer Ornamentik gestaltet.

Messingnägel im indischen Stil an Sansibar-Tür
Messingnägel im indischen Stil an Sansibar-Tür
Stil-Mix an Sansibar-Tür: arabisch-omanisch, Swahili und indisch
Stil-Mix an Sansibar-Tür: arabisch-omanisch, Swahili und indisch

Sie unterlegten die Nägel mit Scheiben in Rosettenform, etwas, das man tatsächlich auch in Indien finden kann. Kommt dann noch ein üppig verzierter Mittelpfosten dazu, der aus der Swahili-Architektur stammt, dann ist die Mischung aus allen drei Kulturstilen perfekt.

Die massiven und überdimensionalen groben Schlösser aus Metall, die man hin und wieder unten oder auch in der Mitte der Türen sehen kann, sind nicht eindeutig einem kulturellen Stil zuzuordnen. Sie dienten einerseits als zuverlässiger und kaum knackbarer Schutz vor Dieben, zeigten andererseits aber auch an, dass der Hausbewohner sich massiven Schutz leisten konnte – eine Sichtweise, die oft in Städten der Swahili-Kultur zum Tragen kam. Art und Weise sowie Mechanik der Schlösser verweisen dagegen auf den indischen Kulturraum. Bei den Omanis symbolisierten – ebenso wie die oft sehr imposanten Türen – solche Schlösser ihre Macht.

Egal, ob Swahili-Türen, indische oder Gujarat-Türen und arabische Sansibar-Türen – sie alle erzählen dem Besucher, der sich die Zeit nimmt, sie genauer zu betrachten, ihre Geschichten in Holz.

Sansibar-Türen entdecken: Besucher-Infos & Rundgang

Die meisten der berühmten geschnitzten Türen von Sansibar kann man in den verwinkelten Gassen der Altstadt Stone Town finden. So manches eindrucksvolle Exemplar ziert einstige Handelshäuser oder Stadtpaläste. Doch auch an privaten Wohnhäusern lassen sie sich entdecken.

Wo gibt es besonders viele historische Türen?

Insbesondere in der Gegend rum um die Kenyatta Road, die Hurumzi Street sowie die Gizenga Street finden sich viele dieser geschnitzten Türen. Denn das ist der historische Kern der Altstadt, rund um den ehemaligen Sultanspalast (House of Wonders) oder das Alte Fort. Zur Blütezeit lebten dort die reichen Händler, die kulturell unterschiedlichen Eliten der Stadt und der Sultan. Es war das repräsentative und politische Zentrum von Stone Town.

Doch auch in ruhigeren Wohnstraßen – ein wenig abseits der Hauptachsen – kann man beeindruckende Türen finden, sie sind vielleicht nicht top restauriert, wirken dadurch aber um so authentischer.

Beste Zeiten für einen Rundgang

Am frühen Morgen, etwa bis 09.00 Uhr, das Licht ist weicher und es ist noch nicht sehr viel los in den Gassen. Auch der späte Nachmittag ist gut geeignet, schönes Licht- und Schattenspiel und wärmere Farbtöne. Die Mittagszeit ist am wenigsten geeignet, denn dann ist garantiert sehr viel los.

Eintrittsgebühren

Eintrittsgebühren sind keine zu bezahlen, auch offizielle Öffnungszeiten gibt es nicht. Die Türen gehören zum öffentlichen Stadtbild und sind damit frei zugänglich.

Was man beachten sollte

Die kulturhistorisch sehr interessanten Sansibar-Türen sind sehr häufig auch Bestandteil von privaten Wohnhäusern. Bei offenen Türen sollte man nicht einfach so hineinspazieren, um sich drinnen umzusehen und zu fotografieren, sondern vorher immer höflich fragen, ob dies möglich ist.

Sansibar-Türen in Stone Town: Bedrohung, Erhalt und Schutz

Stone Town und damit auch die bekannten Sansibar-Türen gehören seit 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe, denn es ist ein Parade-Beispiel für die Swahili-Küstenhandelsstädte in Ostafrika.
Stone Town spiegelt insbesondere architektonisch die verschiedenen Kulturen seiner langen Geschichte – afrikanisch (Swahili), arabisch-omanisch und indisch – und deren harmonische Verschmelzung wider.

Doch das wertvolle kulturhistorische Erbe ist mittlerweile bedroht. Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen. Man hat wohl klar erkannt, dass Maßnahmen zur Konservierung oder Rettung dringend vonnöten sind, doch auch dabei gibt es allerlei Erschwernisse.

Das tropische Klima bedroht alte Sansibar-Türen
Das tropische Klima bedroht alte Sansibar-Türen
Historisches Erbe vom Verfall bedroht: Gasse in Stone Town
Historisches Erbe vom Verfall bedroht: Gasse in Stone Town

Bedrohung durch das Klima

Die Anzahl der heute vorhandenen Sansibar-Türen soll heute bei rund 500 Türen liegen, die Zahlen variieren allerdings zwischen 500 und etwa 800 Türen. Die meisten Gebäude in Stone Town stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und genau hier liegt das Problem. Das feuchte und heiße Klima der Tropen bedroht die historischen Gebäude: Fassaden bröckeln, Balkone stürzen herab oder Elektrokabel hängen herunter. Die salzhaltige Luft beschleunigt die Korrosion der metallenen Tür-Beschläge und Türnägel.

Das alte Holz der Türen leidet unter Feuchtigkeit, es beginnt zu faulen und wird anfällig für Termiten. Das Salz der Luft dringt auch in die Mauern aus Korallenkalkstein ein, das Bauwerk wird langfristig betrachtet, instabil. Die alten, im Lauf der Jahrzehnte undicht gewordenen oder auch mangelhaft reparierten Dächer lassen die Feuchtigkeit eindringen. Durchaus vorkommende Starkregen und der Klimawandel tragen ebenso ihren Teil zum Verfall von Stone Town und seiner Sansibar-Türen bei.

Bedrohung durch den Menschen

Da den Hausbesitzern heute oftmals das nötige Geld für die Instandhaltung ihrer alten Häuser fehlt, werden Reparaturen vernachlässigt oder auch gar nicht durchgeführt, man behilft sich dann eben irgendwie.

Hinzu kommt, dass – falls doch repariert wird – öfter einmal ungeeignete oder moderne Materialien und Techniken zum Einsatz kommen, die die historische Substanz der Bauten schädigen oder radikal verändern, weil das Gebäude umgebaut wird.

Diebstahl und der Weiterverkauf von historischen Bauteilen sind ebenfalls ein Problem. Es soll Sammler geben, die gutes Geld für eine Sansibar-Tür oder die Deko-Elemente daran bezahlen.

Beispiel: House of Wonders (Beit al-Ajaib – Haus der Wunder) in Stone Town
Ein warnendes Beispiel ist das House of Wonders. Es ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Stone Town auf Sansibar und war bereits längere Zeit wegen Einsturzgefahr gesperrt. Den Verantwortlichen war seit Jahren bekannt, dass das Gebäude stark sanierungsbedürftig war. Bereits 2015 hatte starker Regen einen Teil des Daches zum Einsturz gebracht.

Haus der Wunder (Beit al-Ajaib) in Stone Town
Haus der Wunder (Beit al-Ajaib) in Stone Town
Das Haus der Wunder in Stone Town nach dem teilweisen Einsturz, Quelle: Wikipedia, Smartcam, 01.01.2021, CC 4.0
Das Haus der Wunder in Stone Town nach dem teilweisen Einsturz, Quelle: Wikipedia, Smartcam, 01.01.2021, CC 4.0

Es gab Untersuchungen und Notmaßnahmen, aber während Restaurierungsarbeiten kam es im Dezember 2020 zum teilweisen Einsturz des House of Wonders. Neben Schwerverletzten gab es unglücklicherweise auch 2 Tote zu beklagen. Der Verfall schritt immer mehr voran und ein Verlust des UNESCO Weltkulturerbe-Status drohte.

Erhalt und Schutz von Stone Town und seiner Sansibar-Türen

In Beschlüssen mit der UNESCO wurden eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit Sansibar festgelegt sowie Abgabefristen und Forderungen bezüglich der Bewahrungs-Maßnahmen und Sanierungsfortschritte. Auch das Sultanat Oman engagierte sich stark für die Konservierung des House of Wonders.

Inzwischen gibt es verschiedene Projekte und Institutionen, die sich dem Erhalt der kulturhistorischen Schätze Sansibars verschrieben haben. So gibt es u.a. die STCDA (Stone Town Conservation & Development Authority), die private Aga Khan Trust for Culture-Stiftung (AKTC) oder die Zanzibar Stone Town Heritage Society (ZSTHS) und den WMF (World Monuments Fund). Sie alle kümmern sich um die Rettung, Bewahrung und den Schutz des Weltkulturerbes Stone Town mit seinen einzigartigen Sansibar-Türen.

Besondere Aktivitäten zum Erhalt der Gebäude und Sansibar-Türen

Um die Sansibar-Türen und die dazu gehörigen historischen Gebäude perfekt zu erhalten, bedarf es oft der alten Techniken. Es ist nicht einfach, Architekten zu finden, die sich mit dieser speziellen historischen Bausubstanz auskennen oder Handwerker, die erfahren sind in den traditionellen Schnitztechniken, besonders im Hinblick auf die altehrwürdigen Sansibar-Türen.

So gab es ein auch von der EU-Kommision gefördertes Projekt der ACRA (gemeinnützige italienische Entwicklungshilfe), die Handwerker speziell für solche Restaurierungsarbeiten und -techniken ausbildete.

Reiche Schnitzkunst an Sansibar-Türen
Reiche Schnitzkunst an Sansibar-Türen
Reiche Schnitzkunst an Sansibar-Türen
Reiche Schnitzkunst an Sansibar-Türen

Tourismus auf Sansibar und in Stone Town – Chance & Risiko

Im Hinblick auf den Tourismus hat man Aus- und Weiterbildungskurse für die lokalen Tourguides angeboten, um sie für das Weltkulturerbe und einen nachhaltigen Tourismus zu sensibilisieren. Denn wenn Menschen verstehen, dass das historische Erbe von Stone Town mit seinen Sansibar-Türen ihren Lebensunterhalt sichert, dann verstehen sie auch, wie wichtig deren Erhalt und Pflege sind und sind bereit, entsprechend Sorge dafür zu tragen.

Und wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Risiken eines steigenden Tourismus könnten eine geänderte Nutzung der der historischen Gebäude nach sich ziehen und damit einhergehend eine Zerstörung des Denkmal-Charakters. Wird beispielsweise ein altes Haus umgebaut in ein Hotel, so kann das schnell zum Verlust der Authentizität führen. Sind die Eingänge zu klein, werden die Original Sansibar-Türen entfernt, ebenso die historischen Holzrahmen. Für optische Effekte werden moderne Materialien verwendet wie Beton oder Kunststoff – so wird aus alt dann neu, aber es ist nicht mehr original.

Man möchte mehr Touristen auf der Insel haben, mehr Besucher, die sich das UNESCO Weltkulturerbe Stone Town und seine Sansibar-Türen anschauen. Doch die Gassen in der historischen Altstadt sind eng. Mehr Touristen bedingen mehr Hotels und Restaurants, das wiederum bedeutet einen erhöhten Lieferverkehr in den engen Gassen. All das tut der historischen Bausubstanz nicht gut und sorgt für entsprechende Schäden.

Hier kann man nur hoffen, dass beizeiten einem „Overtourism“ der Riegel vorgeschoben wird, damit auch nachfolgenden Generationen diese einzigartigen kulturhistorischen Schätze der Sansibar-Türen und Stone Town erhalten bleiben.

Feingearbeitetes Ornament-Detail an einer Tür in Stone Town
Feingearbeitetes Ornament-Detail an einer Tür in Stone Town
Tür-Detail: Wundervoll gearbeitete Rosette als Unterlage für den Messingnagel
Tür-Detail: Wundervoll gearbeitete Rosette als Unterlage für den Messingnagel

Meine zwei persönlichen Foto-Tipps für die Sansibar-Türen und Stone Town

Fototipps – Türen
Der Morgen eignet sich besonders gut für interessante Fotos. Die noch flach stehende Sonne gibt weiches, warmes Licht und die Schatten sind nicht ganz so hart. Das ist gut, um Details der Sansibar-Türen wie etwa die großen Messingnägel aufs Bild zu bannen, die oft kunstvollen Ornamente wirken so plastischer. Die Mittagszeit sollte vermieden werden, da die grelle direkte Mittagssonne harte Kontraste erzeugt.

Auch ein leicht bewölkter Tag mit seinem diffusen Streulicht ist gut geeignet. Und wer die Imposanz mancher Sansibar-Türen zeigen möchte, nimmt Menschen davor als Maßstab.

Fototipps – Menschen
Gerade wer die kunstvollen Sansibar-Türen auch mit Menschen davor fotografieren möchte, sollte nicht vergessen, dass die meisten Menschen muslimischen Glaubens sind. Der Islam verbietet die Darstellung von Lebewesen. Um Probleme zu vermeiden, ist es deshalb unverzichtbar, Menschen stets VOR dem Fotografieren um ihre Erlaubnis zu bitten.

Die kulinarische Fußnote: ‚SeitenSprung‘ – Der Geschmack hinter den Türen

Wer nach einem ausgiebigen Spaziergang durch Stone Town und der Besichtigung der Sansibar-Türen Appetit bekommen hat, wird feststellen, dass nicht nur die Sansibar-Türen multi-kulti sind, sondern auch die Kulinarik der exotischen Insel. Lassen Sie uns – bildlich gesprochen – ein wenig hinter diese Türen schauen. Denn die drei Kulturen – arabische, indische und Swahili – haben nicht nur die Architektur geprägt, sondern auch die jeweiligen Esskulturen harmonisch miteinander verflochten.

Die Esskultur auf Sansibar entwickelte sich – kurz gesagt – zwischen Küsten und Karawanen. Aus der ostafrikanischen Swahili-Küche kommt der Kokosreis, aromatische Gewürze wie die Nelke von Sansibar.

Beispiel für eine historische Sansibar-Tür
Beispiel für eine historische Sansibar-Tür
Der Geschmack der Kulturen auf Sansibar: Kokosreis mit aromatischen Gewürzen
Der Geschmack der Kulturen auf Sansibar: Kokosreis mit aromatischen Gewürzen

Die Inder steuerten ihre Curries und Dals bei sowie Gewürze wie Kurkuma, Pfeffer, Ingwer oder Zimt. Viele dieser Gewürze sind sie bis heute ein gehaltvoller und unverzichtbarer Bestandteil des traditionellen Sansibar-Gewürz-Kaffees. Die arabisch-omanischen Kaufleute wiederum brachten den Kardamom mit und machten die Dattelpalmen auf Sansibar heimisch. Datteln sind bei den Süßspeisen eine gern genutzte Zutat.

Ein schönes Beispiel, wie sich die kulturelle Vielfalt Sansibars auch in der Küche widerspiegelt, ist Pilau, ein würziges, hocharomatisches und obendrein sattmachendes Reisgericht. Einst wurde es wegen der teuren Gewürze nur an Festtagen oder Hochzeiten gereicht. Heute ist es ein allseits beliebtes, bodenständiges Alltagsgericht, das die Esskultur Sansibars geprägt hat. Dieses Essen gilt als eines der typischsten Sansibar-Gerichte überhaupt.

Doch es gibt natürlich nicht nur das eine, einzig wahre Rezept für Pilau, sondern jede Familie hat ihr eigenes, ganz spezielles Rezept, oft von Generation zu Generation weitervererbt. Basis ist Reis, in einer mit Kardamom, Zimt, Nelken und Kreuzkümmel gewürzten Brühe gegart, dazu kommen Fleisch und Gemüse.

Tipp für kulinarisch Interessierte:
Wer dieses Gericht probieren möchte, geht am besten in kleine Lokale, dort wo auch Einheimische essen. Man findet sie besonders rund um den Darajani Market. Oder man besucht abends ab 18.00 Uhr den Forodhani Night Food Market und genießt dort Pilau als Streetfood.

Fazit

Die Sansibar-Türen von Stone Town zeichnen sich nicht nur durch ihre architektonischen Details aus, sondern sie erzählen auch die Geschichte von Stone Town und Sansibar, eine Geschichte von Handel, Migration und kulturellem Austausch. Die unterschiedlichen Türarten – Swahili, arabisch-omanisch und indisch – sind bis heute Zeugen einer Ära, in der Sansibar im Indischen Ozean als wichtiger Knotenpunkt im Handel zwischen Indien, Arabien und Afrika fungierte.

Sansibar-Türen spiegeln kunstvoll und höchst repräsentativ Herkunft, Status und Reichtum der jeweiligen Hausbesitzer wider, nicht jedoch die Herkunft des oft legendären Reichtums. Dieser beruhte nicht allein auf dem Gewürz-, sondern leider sehr oft auf dem Handel mit dem schwarzen Gold Afrikas, den Sklaven.

Heute ist das kostbare Erbe von Sansibar – Stone Town und seine Sansibar-Türen – das die UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben hat, durch verschiedene Faktoren vom Verfall bedroht und es gilt, das fragile Erbe zu konservieren, sei es durch Sensibilisierung der Bevölkerung, sei es durch nachhaltigen und gesteuerten Tourismus. Denn Geschichte und kulturelles Erbe beschränken sich nicht nur auf Museen, sondern beides ist im lebendigen Alltag an den Türen zu finden – so wie hier in Stone Town auf Sansibar.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Sansibar-Türen:

https://www.zanzibar.com/

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