Komodowaran – der letzte Drache in Indonesien
Der Komodowaran auf der gleichnamigen Insel in Indonesien gilt als der letzte Drache der Erde. Der Komodowaran ist das größte Reptil der Welt und ein Relikt aus der Urzeit. Komodo und seine Warane sind immer wieder Ziel von Touristen aus aller Welt, denn nirgendwo sonst kann man dem Komodowaran so nahe kommen wie hier. Ranger sorgen für die Sicherheit der Gäste, denn nur im Rahmen einer Führung ist ein Besuch der Insel und des Nationalparks möglich.
Warum Komodowarane faszinieren
Komodowarane faszinieren, weil sie in unserer modernen Zeit noch unglaublich archaisch wirken. Es war einmal ein Drache…. So könnte ein Märchen beginnen. Mit ihrer schuppigen, wie gepanzert wirkenden Haut und ihrer gespaltenen langen Zunge erinnern sie an Drachen – Wesen, die uns schon als Kind in vielen sagenhaften Geschichten begegnet sind und uns faszinierten.
Ihr Aussehen hat etwas Mythisches, Komodowarane sind Urzeitwesen, sie ähneln Dinosauriern und bevölkerten unseren Planeten schon vor Jahrmillionen. Sie spucken zwar kein Feuer, aber ihr Biss ist für ihre Beute tödlich. Diese Echsen, die zu den größten der Welt zählen, haben sich, seit sie existieren, kaum verändert. All das trägt zur Faszination der Komodowarane bei.
Komodowaran – die Evolution
Lange Zeit hat man vermutet, dass der Komodowaran in Indonesien einst durch Inselgigantismus entstanden ist. Das heißt, diese urzeitliche Echse fand auf den Inseln perfekte Lebensräume und Lebensbedingungen, ohne Fressfeinde, ohne Konkurrenz von anderen Tieren und ein reichliches Nahrungsangebot. Unter solchen Bedingungen kann sich auf einer Insel ein Tier stärker entwickeln, sehr viel größer werden, als die gleichen Tiere auf dem Festland. Bis heute ist der Komodowaran der größte lebende Waran auf unserem Planeten.
Doch er ist keine Neuschöpfung, die durch die Insellage entstanden ist. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass die Familie der Warane, zu der auch der Komodowaran zählt, ihren Ursprung vor etwa 40 – 50 Millionen Jahren in Asien hatte. In der Folgezeit breiteten sich die Warane bis nach Afrika und Australien aus. Nur Dinosaurier existierten bereits sehr viel früher, nämlich vor etwa 240 Millionen Jahren.
Der heutige Komodowaran ist eng verwandt mit dem australischen Buntwaran und dem australischen Riesenwaran. In Queensland (Ostaustralien) wurden zahlreiche Fossilien gefunden, die die Forscher eindeutig der Art der Komodowarane zuordnen konnten. Damit steht fest, dass die urzeitliche Riesenechse auf dem roten Kontinent Australien vor etwa drei bis vier Millionen Jahren entstanden ist.
Von Australien breitete sich dann der Komodowaran Richtung Westen bis nach Indonesien aus. Entsprechende Fossilien wurden auf der Insel Flores gefunden, mit einem Alter von etwa einer Million Jahren. Auch auf der Insel Java entdeckte man Fossilien, allerdings mit geschätzten 800.000 Jahren etwas jüngeren Datums.
Ursachen für die Ausbreitung des Komodowarans nach Indonesien
Vor Jahrmillionen war der Meeresspiegel sehr viel niedriger als heute, die Kontinente Asien und Australien existierten noch nicht in ihrer heutigen Form und dazwischen lagen viele Inselketten. Regionen, die heute vom Meer bedeckt sind, waren damals Landmassen, über die sich die Tiere nach Indonesien verbreitet haben.
Unterschiede Ur-Waran und Komodowaran
Beim Vergleich von Knochenfossilien aus Australien und Indonesien (Insel Flores) mit Knochen des heutigen Komodowarans wurde festgestellt, dass beide Arten verblüffend ähnlich sind. So sind etwa fossile Schädel aus Australien praktisch identisch mit Schädeln der heutigen Komodowarane. Auch in der Größe haben sich die Tiere im Lauf ihrer Jahrmillionen alten Entwicklung kaum mehr verändert. Erstaunlich ist diese Tatsache besonders unter dem Aspekt, dass sich die Ökosysteme dagegen gewaltig verändert haben und auch Menschen die Region besiedelten.
Lebensräume & Auswirkungen auf die Komodowarane
Komodowarane existieren heute nur noch in Indonesien und auch dort nur in einem relativ kleinen Gebiet. Ihr Lebensraum sind die Inseln Komodo, Rinca, Padar und kleinere Nachbarinseln sowie einige Küstengebiete der Insel Flores. Diese Inseln gehören zu den sogenannten Kleinen Sundainseln und damit zur Provinz Nusa Tenggara Ost. Komodo, Rinca und Padar bilden gemeinsam den Komodo-Nationalpark, zu dem auch noch mehrere kleinere Inseln gehören wie Gili Motang und Nusa Kode. Außerdem wurde der Nationalpark auch zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt.
Komodowaran – Populationen
Die Insel Komodo ist der Hauptlebensraum der berühmten Komodowarane. Hier lebt die größte Population der urzeitlichen Echsen. Die Insel Rinca ist die Insel mit der zweitgrößten Dichte an Komodowaranen, während auf den kleineren Inseln des Komodo-Nationalparks – Gili Motang und Nusa Kode – nur noch sehr kleine Bestände zu finden sind.
Auf der Insel Padar, die ebenfalls zum Nationalpark gehört, gab es bis in die 2010er Jahre noch Komodowarane. Da ihre Beutetiere aber von den Menschen stark bejagt wurden, fehlte schließlich die Nahrungsgrundlage für die Komodowarane. Deshalb galt nach einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2018 Padar Island frei von Komodowaranen.
Seitdem sich das Komodo Survival Program KSP – eine Nichtregierungs-organisation – gezielt für den Schutz der urzeitlichen Tiere und ihres Lebensraumes einsetzt, sind auf der Insel Padar zwischenzeitlich wieder einige wenige Komodowarane anzutreffen. Die Population scheint sich langsam wieder zu erholen, so vermeldete es die KSP, die die Tiere sehr eng überwacht. Genauere Zahlen werden vom KSP nicht veröffentlicht.
Die gesamte Anzahl der Gesamtpopulation von Komodowaranen lässt sich derzeit nicht detailliert angeben. Die Zahlen variieren zwischen 3.300 und 5.700 Tieren. Nach neueren Parkangaben sollen im Komodo-Nationalpark heute zwischen 3.300 und 3.500 Komodowarane leben. Laut einer Erhebung im Jahr 2022 gab es allein auf der Insel Komodo rund 1.561 Komodowarane.
Die Unterschiede in der Topografie, Vegetation und Beutemöglichkeiten auf den verschiedenen Inseln haben auch Auswirkungen auf die Komodowarane. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist der vulkanische Ursprung sowie das Klima, das in dieser Region zum trockensten Klima Indonesiens zählt. Die jährlichen Regenfälle liegen lediglich zwischen 800 und 1.000mm. In der Trockenzeit zwischen Mai und Oktober können die Temperaturen bis auf 40°C ansteigen.
Komodowarane auf der Insel Komodo
Komodo, die Hauptinsel der urzeitlichen Echsen, ist mit knapp 400 km² die größte Insel des Nationalparks. Das Gelände ist zerklüftet und hügelig, lediglich entlang der Küsten von Komodo gibt es einige wenige flache Bereiche und savannen-ähnliche trockene Landschaften.
In Bezug auf Nahrung für die Warane bietet die Insel Komodo das größte und reichste Angebot aller Lebensräume in Form von Timorhirschen (Mähnenhirschen), Wildschweinen sowie kleineren Säugetieren wie Nagetiere. Sogar Wasserbüffel fallen unter das Beuteschema der ausgewachsenen Komodowarane. Da die großen Echsen auch Aasfresser sind und über einen sehr guten Geruchssinn verfügen, finden sie ebenfalls Kadaver, die sie keineswegs verschmähen.
Die Auswirkung auf die Population ist deshalb offensichtlich: Auf Komodo leben die meisten Warane und es sind durchwegs große und kräftige Tiere. Da die Insel für alle groß genug ist, kommen die Tiere sich mit ihren Territorien nicht ins Gehege. Dies ist wiederum gut für den Tourismus – Besucher können sehr leicht und einfach Komodowaranen begegnen.
Komodowarane auf der Insel Rinca
Die Insel Rinca ist nur knapp 200 km² groß, ungleich rauer als Komodo und besitzt sehr stark zergliederte und tief eingeschnittene, steil ins Meer abfallende Buchten. Im Vergleich zu Komodo gibt es auf Rinca nur sehr wenig Wald, dafür mehr trockene, teils steinige und eher flachere Savannenlandschaften mit Lontarpalmen dazwischen.
Das Nahrungsangebot ist ähnlich wie auf Komodo, aber mit weniger Wildschweinen und Hirschen und dafür mehr kleineren Beutetieren. Rinca hat zwar die zweitgrößte Komodowaran-Population. Auffallend ist, dass die Tiere auf Rinca durchschnittlich etwas kleiner sind als auf Komodo, dafür aber ein aggressiveres Verhalten zeigen, denn bei der Suche nach Aas oder Beute ist hier die Konkurrenz größer, die Warane kommen sich gewissermaßen öfter gegenseitig ins Gehege.
Komodowarane auf der Insel Flores
Die mit über 15.000 km² sehr große Insel Flores gehört zwar nicht mehr zum Komodo-Nationalpark, doch es gibt an der westlichen Küste noch einige Komodowarane.
Die Topografie an der Küste von Flores ist sehr vielfältig, es gibt Mangroven und Regenwald sowie Mischlandschaften aus Savanne, Buschwald und Kulturland. Auf Flores leben im Vergleich zu den Inseln des Nationalparks viele Menschen und es wird Landwirtschaft betrieben.
Die Auswirkungen bei den Komodowaranen an der Westküste von Flores sind deshalb besonders augenfällig. Es sind nur noch Restbestände vorhanden, die sehr stark gefährdet sind. Es kommt zu mehr Konflikten mit Menschen, denn Komodowarane holen sich durchaus auch einmal Hühner und Ziegen als Beute. Trotzdem sind die Urzeitechsen scheuer und hauptsächlich nachtaktiv, sie haben sich an das menschliche Umfeld offensichtlich entsprechend angepasst.
Komodowarane auf der Insel Gili Motang
Die mit ca 13 km² kleine Insel Gili Motang liegt vor der Insel Rinca im Süden und ist ein karges, sehr trockenes und felsiges Eiland mit Savannenvegetation, wenig Wald und damit verbunden mit wenig Schatten und wenig Deckung für die Komodowarane. Auch das Nahrungsangebot ist auf Gili Motang sehr eingeschränkt, es gibt lediglich kleinere Säugetiere.
Deshalb ist die Anzahl der Komodowarane auf Gili Motang sehr klein . Es sollen um die 80 Tiere sein. Da es wenig zu fressen gibt, hat sich auch die Körpergröße der Warane im Lauf der Zeit entsprechend angepasst und reduziert. Auf einer solch kleinen Fläche machen sich natürlich alle ökologischen Veränderungen entsprechend heftig bemerkbar.
Komodowarane auf der Insel Nusa Kode
Dies gilt insbesondere auch für die im Vergleich zu Gili Motang mit circa 11 km² noch winzigere Insel Nusa Kode an der westlichen Küste von Flores. Schon geringe Veränderungen im Beutetierbestand oder in ihrer Lebensumgebung haben schnell spürbare Konsequenzen für die Population.
Nusa Kodes Landschaft bietet ein wenig mehr Feuchtigkeit, steile Klippen und einen etwas dichteren Wald. Dies bietet wiederum Vorteile für die Jungtiere, denn sie haben bessere Klettermöglichkeiten.
Größere Beutetiere wie auf Komodo oder Rinca sind aber auch hier kaum zu finden. Auf Nusa Kode haben sich die Komodowarane an ihre Umgebung entsprechend angepasst. Die Population ist mit 90 Tieren sehr klein.
Komodowaran – Körperbau, Sinne, Überlebensstrategien
Die Anatomie des urzeitlichen Komodowarans wurde von der Evolution einst perfekt an seinen Lebensraum angepasst und hat bis heute ihre Gültigkeit – vom Körperbau, den verschiedenen Organen und Sinnen bis hin zu seinem Bewegungsmuster. Über Hunderttausende von Jahren hinweg hat sich daran kaum etwas verändert.
Körperbau
Ein ausgewachsener Komodowaran kann eine Länge bis zu 3m haben, sein Gewicht liegt etwa bei 80 – 100 kg. Der Körperbau ist massiv und wirkt insgesamt sehr schwerfällig, doch dieser Eindruck täuscht. Komodowarane sind bei Bedarf zu sehr hoher Beschleunigung fähig. Auf kurze Strecken können sie 18 bis 20 km/h sprinten, allerdings nur für sehr kurze Zeit, maximal drei bis fünf Sekunden. Im Fluchtmodus erreichen sie immerhin zwischen 10 und 15 km/h.
Jungtiere dagegen können durchaus auch bis 18 km/h sprinten und flüchten dann meistens auf Bäume, wo sie in Sicherheit sind.
Im Normalfall sind Komodowarane eher langsamere Ausdauerläufer und bewegen sich im Energiesparmodus, wenn sie beispielsweise eine verletzte Beute über eine weitere Strecke verfolgen. Dann bewegt sich ihre Geschwindigkeit im Bereich zwischen drei und sechs km/h. Dieses Tempo können sie dafür über mehrere Stunden hinweg durchhalten. Komodowarane sind also eher geduldig als blitzschnell. Dafür aber hocheffizient.
Komodowaran – Augen
Komodowarane sind auch im Hinblick auf ihre Augen etwas Besonderes. Denn sie besitzen zwar eine exzellente Fernsicht – bis zu 300 m, aber dafür nur eine schlechte Nahsicht. Das ist für die Tiere insofern wichtig, dass sie große Beutetiere und ihre Bewegungen schon auf große Distanzen sehen können – wie beispielsweise Hirsche in einem offenen Savannengelände.
Nahe Objekte, in einer Umgebung von 2 bis 4 m nehmen sie allerdings nur verschwommen wahr. Deshalb verlassen sie sich bei geringen Entfernungen hauptsächlich auf ihre Zunge und das Jacobson-Organ. Beide zusammen sind die wichtigsten Orientierungshilfen bei der Suche nach Beute.
Komodowaran – Ohren
Die Ohren des Komodowarans sind kaum sichtbar. Es gibt keine Ohrmuschel wie bei anderen Tieren oder beim Menschen, sondern lediglich eine Ohröffnung. Die Warane haben ein eher beschränktes Hörvermögen. Sie können zwar hören, aber nicht besonders gut. Studien haben gezeigt, dass sie nur zwischen 100 Hz und 4.000 Hz hören können.
Der Hörbereich beim Menschen liegt im Vergleich dazu zwischen 20 und 20.000 Hz. Außerdem nehmen Komodowarane eher Vibrationen – beispielsweise Schritte von Menschen oder großen Tieren – und tiefere Geräusche wahr, als hohe Töne. Im Vergleich zum Geruchssinn und die gute Fernsicht ist das Hören für Komodowarane weniger essentiell.
Komodowaran – Haut
Die Haut der Komodowarane ist eine für Reptilien typische Schuppenhaut, deren Oberfläche verhornt ist. Die Schuppen selbst variieren, je nach Körperregion – mal flach und glatt, mal gewölbt. Unter diesen Schuppen befindet sich der Osteoderm-Panzer oder Knochen-Panzer.
Er besteht aus vielen kleinen Knochenplatten die je nach Körperteil unterschiedlich angeordnet sind, ähnlich wie das Kettenhemd bei einem mittelalterlichen Ritter. Jungtiere besitzen diesen Knochenpanzer noch nicht, er entwickelt sich erst, wenn das Reptil erwachsen ist. Dieses Osteoderm ist ein wichtiger Schutz bei Kämpfen mit Artgenossen.
Das Osteoderm macht die Haut der Echsen extrem robust.Deshalb ist die Haut des Komodowarans für die Ledergewinnung – wie etwa beim Krokodil – absolut ungeeignet. Das hat die Tiere wiederum davor bewahrt, komerziell wegen ihrer Haut gejagt zu werden.
Diese Widerstandsfähigkeit bietet auch Schutz vor rauem Untergrund, Dornenbüschen oder scharfen Steinen. Zusätzlich hilft sie bei der Wärmeregulierung. Sie kann – auch durch die dunkle Färbung und die Struktur sehr gut Sonnenwärme aufnehmen, schützt aber zugleich vor übermäßigem Wasserverlust.
Komodowaran – Krallen
Die beeindruckenden Krallen dienen als höchst vielseitige Werkzeuge. Sie helfen bei der Fortbewegung auf unebenem Untergrund und sie verhindern ein Ausrutschen auf Sand oder losem Untergrund. Auch für das Herausziehen von Beute aus einem großen Dickicht sind die Krallen äußerst nützlich. Der Fang kann damit sicher und kraftvoll festgehalten werden, wenn anschließend große Stücke Fleisch herausgerissen werden.
Sie dienen zusätzlich zur Verteidigung oder Abschreckung, denn damit können tiefe Kratzwunden zugefügt werden.
Insbesondere die Weibchen benötigen die mächtigen Krallen, wenn sie ihre Nester tief in die Erde hineingraben. Für die Jungtiere sind die Krallen lebenswichtig, da sie diese zu Beginn ihres Lebens brauchen, um gut und schnell auf Bäume klettern und dort leben zu können. Deshalb sind ihre Krallen zunächst relativ lang und auch schärfer als bei adulten Tieren.
Komodowaran – Gebiss
Das Gebiss der riesigen Echse ist durchaus respektvoll zu betrachten. Es besteht aus sogenannten Schwertzähnen, sie sind alle spitz, an den Seiten abgeflacht und zudem nach hinten gebogen. Alle Zähne funktionieren wie messerartige Klingen, sie sind perfekt zum Festhalten und Ausreißen von Fleischstücken.
Hinzu kommt, dass die Zähne Serrierungen besitzen, das sind feine, mikroskopisch kleine Einkerbungen an der Schneidekante – ähnlich wie bei der Klinge eines Sägemessers. Damit können die Echsen Fleisch sehr viel effektiver aufschlitzen, das Gewebe zerreißen und wenn sie die gebogenen Zähne dann herausziehen, entstehen sehr große Wunden.
Dies wiederum verstärkt die Wirkung des Giftes, das in der durch die Zacken verursachten größeren Wunde schneller ins Gewebe eindringen kann. Außerdem ist jeder Zahn von einer Art Schleimhaut-Manschette umgeben. Darin eingebettet liegen die Ausgänge der Giftdrüsen.
Ein ähnlich furchteinflößendes Gebiss hatten auch viele der fleischfressenden urzeitlichen Dinosaurier. Es ist definitiv nicht auf das Kauen der Beute spezialisiert, sondern auf das Zerschneiden, Zerreißen und Schlucken der Beute.
Bei Jungtieren sind die Zähne noch nicht so stark gebogen, das kommt erst mit zunehmendem Alter, da sich die Tiere dann auch auf größere Beutetiere umstellen.
Komodowaran – Geruchssinn
Die Echsen besitzen zwar eine Nase, sie ist deutlich zu erkennen an den beiden Nasenlöchern, die oben auf der Schnauze sitzen. Die Funktion der Nase, das Erkennen von Gerüchen, ist bei den Waranen aber nur sehr rudimentär ausgeprägt. Sie dient hauptsächlich zum Atmen.
So können die Echsen unauffällig und leise atmen, ohne dafür das Maul geöffnet zu halten. Außerdem können sie damit Temperaturen oder einen Luftstrom wahrnehmen. Für das Erkennen und Verorten von Gerüchen dagegen dienen zwei ganz andere, aber lebenswichtige Organe. Damit besitzen die Komodowarane den ausgeprägtesten und besten Geruchssinn von allen Waranarten.
Komodowaran – Die gespaltene Zunge
Auffallend bei dieser Waranart ist ihre lange, schmale und an der Spitze tief gespaltene Zunge. Sie fungiert als Riechorgan. Durch die Zweiteilung wie bei einer Gabel werden so Gerüche voneinander getrennt links und rechts aus der Luft aufgenommen. Der Komodowaran kann so herausfinden, wo Gerüche stärker vorhanden sind und damit die Richtung bestimmen – ein wichtiges Kriterium, um Nahrung zu orten. Man könnte sagen, Komodowarane besitzen ein GPS für Gerüche.
Komodowaran – Jacobson-Organ
Komodowarane besitzen zusätzlich noch das Jacobson-Organ, das wissenschaftlich auch als Vomeronasal-Organ bezeichnet wird und nach seinem dänischen Entdecker Ludwig Levin Jacobson benannt wurde.
Dabei handelt es sich um ein hochsensibles Riechorgan, das im Gaumendach sitzt. Der Waran kann damit chemische Signale sehr fein und genau erkennen und analysieren, beispielsweise Aasgeruch. Das Jacobson-Organ ist bei dieser Riesenechse extrem gut ausgeprägt und sehr viel effektiver als der Geruchssinn von anderen Säugetieren.
Den Geruch von Aas kann der Komodowaran sogar über eine Entfernung von 2-4 Kilometern riechen und identifizieren. Es ist damit ein lebenswichtiges Organ, denn Aas und verletzte Tiere sind die wichtigsten Nahrungsquellen für die urzeitlichen Reptilien.
Im Vergleich zu seinen Riechorganen sind beim Komodowaran die Ohren und damit das Hörvermögen eher schwach ausgeprägt. Ähnliches gilt auch für die Augen, insbesondere im Hinblick auf die Nachtsicht.
Ausgezeichnete Riechorgane haben aber auch eine wichtige Bedeutung für die Kommunikation der Tiere untereinander. Damit lassen sich sowohl Rivalen oder Territoriumsgrenzen als auch paarungsbereite Weibchen identifizieren. Diese hinterlassen dann spezielle und intensive chemische Duftspuren.
Die Echsen folgen stets geruchsintensiven Zonen, da dies bei der Nahrungssuche äußerst kräftesparend ist, insbesondere, wenn es wenig Nahrungsquellen gibt.
Können Komodowarane schwimmen?
Ja, Komodowarane können auch schwimmen, sogar recht gut. Man kann sie häufig an den Küsten oder in Mangrovenbereichen beobachten. Sie sind durchaus auch in der Lage, kleinere Entfernungen von mehreren hundert Metern zwischen Inseln zu überbrücken.
Sie besitzen zwar keine Flossen oder Schwimmhäute wie etwa Enten oder Frösche, sondern nur eine Art Saum zwischen den Zehen. Damit kann die Echse beim Schwimmen die Fläche des Fußes etwas vergrößern.
Der Oberkörper liegt mehr an der Wasseroberfläche, mit den Beinen wird gepaddelt und den Hauptantrieb liefert der Schwanz, mit dem der Waran seitlich schlägt. So kann sich ein Komodowaran relativ effizient auch im Wasser fortbewegen.
Im Großen und Ganzen besagt die Wissenschaft, dass Komodowarane definitiv Landtiere sind und außerdem standorttreu. Sie schwimmen nicht, um Jagd auf Fische und andere Beute im Wasser zu machen. Beute wird hauptsächlich an Land gejagt. Sie gehen nur ins Wasser, um im Notfall neue Jagdgebiete auf einer benachbarten Insel zu finden oder um Rivalen und anderen bedrohlichen Störungen auszuweichen.
Kommunikation der Komodowarane untereinander
Komodowarane kommunizieren akustisch eher selten untereinander, sie sind grundsätzlich leiseTiere. In Feldstudien fand man heraus, dass sie sich eher über Gerüche oder Körpersprache verständigen.
Dokumentiert wurde an Akustik lediglich ein Fauchen, das als Warnung oder Einschüchterung gilt.
Auch ein Knurren oder tiefes Grollen ist möglich, besonders bei Erregung, Bedrohung oder wenn sich zwei Rivalen begegnen. Dann wird auch der Hals- und Brustbereich aufgebläht und der Komodowaran demonstriert damit Aggression oder Dominanz.
Werden die Tiere von irgendetwas überrascht oder sind gereizt, dann ist ein kurzes Schnauben zu hören, die Luft wird heftig ausgestoßen. Dies ist häufig bei Jungtieren zu beobachten. Sie geben dann leise Piepslaute von sich als Abwehr.
Komodowarane besitzen kein Stimmorgan, keine Stimmbänder und keinen Kehlkopf, deshalb ist eine vokale Kommunikation untereinander auch nicht möglich. Man sieht, bei diesen Riesenechsen ist der Geruch das allerwichtigste Kommunikationsmittel.
Körpersprache und Körperhaltung der Komodowarane
Die fehlende Akustik wird ausgeglichen durch eine sehr ausgeprägte und ausdrucksstarke Körpersprache. Komodowarane können mit ihrem ganzen Körper eine beeindruckende Drohhaltung einnehmen, die jeder Rivale sofort erkennt. Dann ist ihr Körper seitlich gedreht, Hals und Brust werden aufgebläht, der lange Schwanz wird kräftig geschwungen, der Kopf ist hoch aufgerichtet, das Maul aufgerissen.
Bei Kämpfen von zwei Männchen gibt es bestimmte Kampfrituale, die an das Greifen und Schubsen bei einem Wrestlingkampf erinnern. Der ganze Körper wird weit aufgerichtet.
Das Paarungsverhalten sieht dagegen ganz anders aus. Männchen und Weibchen berühren sich mit der Schnauze und es wird mit der langen Zunge am Körper des Partners oder der Partnerin gezüngelt.
Außerdem beißt bei der Paarung das Männchen das Weibchen in den Nacken oder auch seitlich in den Hals (Mating Grip).
Damit soll es nicht verletzt werden, sondern lediglich fixiert. So kann das Weibchen sich nicht winden oder gar fliehen. Dieser Griff ist komplett anders als ein Jagdbiss in ein Beutetier. Die dicke Haut des Weibchens wird dabei nicht verletzt, sie ist gut geschützt durch knochenähnliche Hautplättchen, die sogenannte Osteoderme.
Komodowaran – Wärme, Energiebedarf und Überlebensstrategien
Komodowarane brauchen Wärme zum Überleben. Sie sind wechselwarme Tiere. Ohne Sonnenwärme können sie weder jagen, noch verdauen, noch sich schnell bewegen. Deswegen sind Komodowarane insbesondere morgens häufig träge. Sie benötigen gewissermaßen eine Art Aufwärmphase. Deshalb baden sie gerne in der Sonne, ziehen sich allerdings bei sehr großer Hitze in den Schatten oder in Höhlen zurück.
Komodowaran – Körpertemperatur
Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebungstemperatur ab und bewegt sich zwischen 29 und 34°C. In diesem Temperaturbereich funktioniert ihr Körper optimal, besonders im Hinblick auf die Muskelkraft oder die Reaktionsgeschwindigkeit und das Immunsystem.
Fällt ihre Körpertemperatur unter 25°C, verlangsamt sich der Stoffwechsel, die Tiere selbst werden langsamer, sie können nicht mehr jagen. Steigt dagegen ihre Körpertemperatur stark an auf 36 bis 38°C, droht Überhitzungsgefahr, der Stoffwechsel ist überlastet und es gibt Kreislaufprobleme.
Komodowaran – Verdauung
Auch die Verdauung der Komodowarane ist ungemein energieeffizient, denn sie können große Mengen Beute auf einmal verwerten. Wenn dann eine lange Ruhephase kommt, die Tiere dann scheinbar faul in der Sonne liegen, so ist das ein Teil ihrer Energie-Strategie. Dies ist auch wichtig, wenn es nur unregelmäßig Beute gibt, wie beispielsweise auf Gili Motang oder Nusa Kode. So können Komodowarane auch lange Fastenperioden gut überstehen.
Wenn es nötig ist, sind Komodowarane außerdem in der Lage, zwischen größeren Verdauungszyklen ihre Herzfrequenz stark abzusenken und damit ganz effizient ihre Energie auf die Verdauung zu konzentrieren.
Sogar ihren Stoffwechsel können sie nach Bedarf minimieren, um sich etwa vor Überhitzung zu schützen und auch dabei sinkt die Herzfrequenz. Fallen die Umgebungstemperaturen, dann sinkt ihre Körpertemperatur ebenfalls, ihr Herzschlag verlangsamt sich dabei automatisch und der Stoffwechsel läuft dann im Sparmodus. All diese Mechanismen sind für die Komodowarane überlebenswichtig, denn gerade Überhitzung ist für sie gefährlicher als Kälte.
Komodowaran – Herz-Kreislauf-System
Studien haben außerdem gezeigt, dass Komodowarane ein für Reptilien ungewöhnlich leistungsfähiges Herz-Kreislaufsystem besitzen. Es kann bei Aktivität große Mengen an Sauerstoff bereitstellen und wird im Ruhezustand wieder radikal herunterreguliert.
Damit können sie – allerdings nur sehr kurzzeitige – Spitzenleistungen erbringen und kehren danach sofort in einen Energiespar-Modus zurück. Diese Hochleistungsmechanismen werden nur eingesetzt für die Jagd, Territorialkämpfe oder auch bei Flucht.
Komodowaran – Jagd & Ernährung
Der Komodowaran ist im Hinblick auf seine Jagdstrategien und seine Ernährung perfekt an das Ökosystem seines Insel-Lebensraumes angepasst. Blitzschnelle Attacken oder geduldiges Aufspüren der Beute – beide Methoden beherrscht der Komodowaran perfekt.
Jagdverhalten
Komodowarane sind Meister im Auflauern. Im Schutz von hohen Savannengräsern warten sie reglos und lauern geduldig auf mögliche Beute. Wo es Beute gibt, verraten ihnen ihre perfekt ausgeprägten Geruchssinne. Ist ein Opfer gefunden, wird es durch das Gewicht des angreifenden Komodowarans niedergerissen und dann gebissen. Ist es ein sehr großes Tier, zieht sich der Komodowaran nach dem Biss zurück und folgt später dem Geruch und der Spur des fliehenden Opfers.
Gerne werden schwache, alte oder auch verletzte Tiere als Opfer auserkoren. Oder die Riesenechsen warten an Küsten oder Wasserstellen beispielsweise auf Wildschweine oder Timorhirsche, die es auf diesen Inseln gibt.
Ganz besonders lieben Komodowarane Aas, es macht einen großen Teil ihrer Nahrung aus. Außerdem ist diese Form der Beutesuche sehr energieeffizient, weniger mühsam und sicherer als die Jagd auf lebende Beutetiere. Das Finden von Aas wird ebenfalls durch ihre höchst sensiblen Geruchsorgane erleichtert.
Beutetiere
Komodowarane sind Fleischfresser. Sie sind in der Lage, sehr große Fleischmengen auf einmal zu fressen, das können tatsächlich bis zu 80% ihres Körpergewichts sein – eine gewaltige Menge, wenn man das Körpergewicht von ca. 80-100 kg bedenkt. Dabei hilft ihre Anatomie, denn ihre Bauchregion ist sehr elastisch und kann sich extrem ausdehnen.
Zu den Beutetieren erwachsener Komodowarane gehören Timorhirsche, Wildschweine, Wasserbüffel (insbesondere junge oder kranke und erschöpfte Tiere), Ziegen, Affen, kleinere Reptilien.
Kannibalismus
Komodowarane können aber auch sehr häufig zu Kannibalen werden und ihre eigenen Jungtiere fressen – ein Verhalten, das sogar wissenschaftlich dokumentiert wurde. Jungtiere machen etwa 10 % der Nahrung adulter Komodowarane aus.
Die Erklärung dafür: Da ihr Nahrungsspektrum auch kleine Reptilien umfasst, fallen somit die eigenen Jungtiere darunter, es ist ein angeborenes Beuteschema. Am häufigsten erwischt es bis zu 1 Jahr alte Warane. Ein weiterer Grund ist, wenn das Nahrungsangebot sehr begrenzt ist.
Komodowaran – Gift & Speichel
Gift
Den Tod eines Beutetieres verursachen sowohl der Biss als auch der Speichel des Komodowarans. Die Riesenechse besitzt im Unterkiefer sehr wirksame Giftdrüsen, die blutgerinnungshemmendes und extrem blutdrucksenkendes Gift produzieren, das beim Biss ins Beutetier gelangt. Direkt neben den Giftdrüsen liegen die Speicheldrüsen, so dass sich Gift und Speichel beim Biss vermischen, ins Blut gelangen und zusätzlich den Blutdruck senken.
Speichel
Der Speichel des Komodowarans ist zwar nicht giftig, enthält jedoch unheimlich viele Bakterien und Enzyme. Er ist sehr zähflüssig, fadenziehend und schleimig und haftet deshalb besonders gut am Gewebe des Beutetieres und an der Bisswunde. Er wirkt wie ein Klebstoff für die enthaltenen Bakterien und bildet einen Film an der Bissstelle.
Darüber hinaus enthält der Speichel auch gerinnungshemmende Proteine, als Folge blutet die Bisswunde sehr stark und sehr lange. Zusätzliche entzündungsfördernde Stoffe unterstützen und beschleunigen den Schockzustand.
Die im Speichel enthaltenen Enzyme machen das Gewebe weicher und erleichtern damit das Eindringen der Bakterien und Giftstoffe aus den Giftdrüsen. Früher hieß es, dass die Beute durch die Bakterien im Speichel stirbt. Diese alte Auffassung hat man inzwischen widerlegt.
Heute weiß man, dass die Giftdrüsen die Todesursache sind, der Speichel selbst ist nicht giftig, sondern nur mit dem Gift vermischt und unterstützt die Wirkung des Gifts.
Soziales Gefüge der Komodowarane
Das soziale Gefüge der Komodowarane hat eine sehr einfache und klare Grundstruktur. Komodowarane sind Einzelgänger, es gibt keine Rudelbildung, keine Familiengruppen und auch keine dauerhaften sozialen Bindungen, wie man sie von anderen Säugetieren kennt.
Soziale Kontakte gibt es lediglich während der Paarungszeit, wenn Rivalen miteinander kämpfen oder wenn mehrere Tiere an einem Kadaver fressen. Das bedeutet, ein soziales Verhalten ist immer situationsbedingt, aber nie von Dauer.
Komodowaran – Hierarchie
Eine Hierarchie basiert bei den Komodowaranen ganz einfach auf der Größe der Tiere, ihrem Gewicht und ihrer körperlichen Stärke. Diese Hierarchie entsteht sozusagen durch Kämpfe und / oder Drohverhalten.
Dies gilt in erster Linie für die Komodowaran-Männchen, die Weibchen sind hier weniger dominant. Doch sie können durchaus auch sehr aggressiv werden, insbesondere beim Fressen.
Komodowaran – Hierarchie am Kadaver
Eine ganz besonders klare Hierarchie fällt auf, wenn mehrere Komodowarane an einem einzigen Kadaver fressen. Als erste dürfen die großen und starken Männchen ihren Hunger stillen, sie verdrängen so lange alle anderen Tiere.
Die nächsten in der Reihe sind dann die erwachsenen Weibchen, gefolgt von halberwachsenen Tieren und die Jungtiere müssen zum Schluss damit zufrieden sein, was übriggeblieben ist. Diese Hierarchie am Kadaver wird nicht von einer Art Oberhaupt koordiniert, sondern sie ergibt sich rein durch Drohung und die körperliche Präsenz, die Stärke der Tiere.
Auch durch Züngeln mit ihrer langen gespaltenen Zunge können die Komodowarane anhand von Duftsignalen Größe und Stärke der anderen hungrigen Tiere einordnen.
Der Grund für diese Hierarchie ist evolutionsbedingt: Größere Tiere brauchen mehr Futter, sind dadurch stärker und haben bessere Überlebens- und Reproduktionschancen.
Fortpflanzung der Komodowarane – Paarung, Nestbau und Entwicklung der Jungtiere
Die Fortpflanzung der Komodowarane folgt einem ganz eigenen Rhythmus. Die verschiedenen Entwicklungsstadien zeigen dabei, wie sich diese urzeitlichen Riesenechsen perfekt an ihr jeweiliges Insel-Ökosystem angepasst haben.
Komodowaran – Paarung
Die Paarung der Komodowarane ist saisonal bedingt, sie erfolgt zwischen Mai und August, ein von Mutter Natur perfekt ausgeklügelter Zeitraum. Das ist die Übergangszeit zwischen Regen- und Trockenzeit. Wenn die Jungtiere dann später zur Welt kommen, sind die Umgebungsbedingungen für ihr Überleben perfekt.
Wenn die Komodowaran-Weibchen paarungsbereit sind, geben sie spezielle Duftsignale, sogenannte Pheromone ab, die Männchen nehmen diese Signale mit ihrer Zunge wahr und folgen den Weibchen. Die Paarung erfolgt dann nach einem bestimmten Ritual, das Männchen beschnüffelt, züngelt und fixiert das Weibchen mit dem bereits erwähnten Mating Grip, dem Nackenbiss und hält es so in der für die Paarung optimalen Position.
Komodowaran – Nestbau
Komodowarane bringen ihre Jungen nicht lebend zur Welt, sondern legen Eier. Für die Eiablage werden von den Weibchen entsprechende Nester angelegt, die sich geschützt in Erdhöhlen oder auch Termitenhügeln befinden und meistens ein bis drei Meter tief sind.
So haben Termitenhügel den Vorteil, dass sie stabile Temperaturen aufweisen und so gleichzeitig wie ein natürlicher Brutkasten wirken. Im Innenraum sind sie perfekt temperiert mit etwa 30°C und haben eine konstante Feuchte. Das ist sehr wichtig, denn die Weibchen sitzen weder auf den Eiern noch brüten sie sie aus. Häufig graben Weibchen mehrere Scheinnester, um eventuelle Nesträuber zu irritieren.
Komodowaran – Brutzeit
Die Komodowaran-Weibchen legen dann ein bis zwei Monate nach der Paarung, also etwa im August / September zwischen 15 und 30 Eier in ihr Nest. Danach halten sich die Weibchen noch kurze Zeit in Nestnähe auf, um so eventuelle Räuber vertreiben zu können. Danach überlassen sie das Nest sich selbst, es gibt keinerlei Brutpflege. Die Embryos in den Eiern entwickeln sich ausschließlich mithilfe der umgebenden Wärme.
Schlüpfen der jungen Komodowarane
Nach 7 bis 9 Monaten schlüpfen dann die Jungen im April / Mai. In diesem Zeitraum beginnt die Regenzeit auf den Komodo-Inseln und damit ist auch das Nahrungsangebot für die Jungtiere reichlicher. Die Vegetation wächst verstärkt und dichter. Das bietet wiederum Schutz für die jungen Komodowarane und es ist nicht so heiß wie in der Trockenzeit. Würden sie im Hochsommer (Oktober bis November) schlüpfen, hätten sie nur äußerst geringe Überlebenschancen, die Sterblichkeitsrate läge in diesem Fall bei nahezu 100%.
Ein besonderes Merkmal der Jungtiere ist ein deutlich sichtbarer Dottersackrest am Bauch. Er diente während der Embryo-Entwicklung im Ei als Nährstoffvorrat. Da die Jungtiere sofort nach dem Schlüpfen ihr Nest verlassen, müssen sie sich nicht sofort auf gefährliche Nahrungssuche machen und können noch von dem Dottersackrest zehren. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere ca. 30-40cm lang.
Entwicklung der jungen Komodowarane
Nach dem Verlassen des Nestes flüchten junge Komodowarane für ihre Sicherheit und ihre weitere Entwicklung zunächst auf Bäume. Dort verbringen sie fast ausschließlich ihre ersten Lebensmonate und sind damit sicher vor dem Gefressenwerden durch adulte Komodowarane. Die Gefahr, durch Kannibalismus das Leben zu verlieren, ist sehr hoch, die Sterblichkeitsrate im ersten Jahr liegt bei ungefähr 80%.
Die Jungtiere ernähren sich in dieser Phase von Insekten, Geckos, Kleintieren oder Vogeleiern. In diesem Alter sind junge Komodowarane sehr gute Kletterer und regelrechte Kletterakrobaten. Sie wachsen sehr schnell und sobald sie eine Länge von 1m bis 1,20m erreicht haben, verlassen sie ihr sicheres Zuhause in den Bäumen.
Komodowarane – Historie und Entdeckung
Schaut man sich die Historie dieser urzeitlichen Echsen an, wird man feststellen, dass es eine faszinierende Mischung ist aus alten örtlichen Überlieferungen und kolonialen Entdeckungen. Aber auch eine Portion wissenschaftlicher Neugier hatte daran Anteil, dass Kenntnis und Wissen über die Spezies der Komodowarane erst sehr spät, nämlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Weg in die europäische und auch internationale Forschung fanden.
Historie – Lokale Bevölkerung der Inseln Komodo, Rinca und Flores
Das Wissen um die Existenz der Komodowarane reicht bei der auf den Inseln Komodo, Rinca und Flores lebenden indigenen Bevölkerung sehr weit in die Vergangenheit zurück. Sie kannten die Riesenechsen bereits seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden.
Er galt als Teil ihres Lebens, aber auch als spirituelles Tier oder als Teil ihrer Ahnenwelt. Die Inselbewohnter nannten die Komodowarane ‚Orah‘ = Tiername, also Komodowaran oder auch ‚Buaya darat‘ = Landkrokodil.
Historie – frühe europäische Hinweise
Frühe europäische Hinweise auf die Existenz von ‚Erddrachen‘ gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Niederländische Kolonialbeamte hörten damals von Riesenechsen, die es geben sollte, doch sie taten diese Tiere als Phantasien ab und schenkten den Erzählungen keinen Glauben. Die ersten gesicherten Hinweise tauchen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf in Verwaltungsakten der damaligen niederländischen Kolonialherren.
Leutnant Jacques Karel Henricus van Steyn van Hensbroek
Offiziell entdeckt wurden die Komodowarane erst 1910 von einen Europäer.
Diese Ehre gebührt aller Wahrscheinlichkeit nach dem niederländischen Infanterie-Leutnant Jacques Karel Henri van Steijn van Hensbroek (1881–1944), der als ziviler Verwaltungsbeamter in Reo auf der Insel Flores stationiert war.
Inselbewohner hatten dem Leutnant von ‚großen Landkrokodilen‘ berichtet. Van Hensbroek reiste daraufhin von Flores nach Komodo und beobachtete dort erstmals systematisch diese unbekannten Reptilien mit eigenen Augen. Er hat wohl einen Waran erlegt und sandte 1910 den Schädel und die Haut dieser Echse an das Zoologische Museum in Bogor auf Java. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass diese neue Entdeckung damals große Neugier bei der westlichen Wissenschaft ausgelöst hatte.
Pieter Ouwens
Der Zoologe Pieter Ouwens, der damals der Direktor des Zoologischen und Botanischen Museums in Bogor war, begutachtete die von Van Hensbroek erhaltenen Präparate und beschrieb die bis dahin unbekannte Tierart wissenschaftlich – ihre Größe, Form und ihren Aufbau ebenso wie die Nahrungsgrundlagen und den Lebensraum.
Offizielle Entdeckung der Komodowarane
Pieter Ouwens gab dem Tier den zoologischen Namen, unter dem es bis heute bekannt ist: Varanus komodoensis Ouwens – benannt nach dem Vorkommen auf der Insel Komodo. Damit machte er 1912 diese neue Art international bekannt. Damit gilt 1912 als offizielles Entdeckungsjahr des Komodowarans und seine offizielle Anerkennung als neue Art.
W. Douglas Burden East Indian Expedition zu den Komodowaranen
1926 findet dann die Burden East Indian Expedition statt. Sie wurde benannt nach William Douglas Burden (1898 – 1978), einem US-amerikanischen Naturforscher. Er stammte aus der reichen Familie Vanderbilt und verfügte damit über genug finanzielle Mittel für eigene Expeditionen. Zudem erhielt er Unterstützung von Museen. Sein Hauptinteresse galt exotischen Tieren, insbesondere der zu diesem Zeitpunkt noch kaum erforschten und neu entdeckten Riesenechse Varanus komodoensis Ouwens.
Diese Expedition führte explizit nach Indonesien und die Insel Komodo. Die Ergebnisse der Expedition waren umfangreich: mehrere Komodowarane wurden gefangen und teils tot, teils lebend in die USA transportiert. Die lebenden Tiere waren für den Bronx Zoo bestimmt. Die toten Exemplare erhielt das Museum zur Konservierung.
Die Auswirkungen und Ergebnisse der Burden East Indian Expedition waren vielschichtig. Wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen lieferten umfassende Erkenntnisse und Daten über den Komodowaran, insbesondere seine Biologie, sein Verhalten und sein Lebensraum.
Die beiden lebenden Komodowarane im Bronx Zoo waren 1926 die ersten ihrer Art in einem westlichen Zoo. Entsprechend groß war das Echo der Medien und der Rummel um diese lebenden Urzeit-Drachen. So kamen die Komodowarane zu einer unglaublich großen Popularität, weit über den wissenschaftlichen Bereich hinaus.
Die von Burden gesammelten Daten bildeten später eine wichtige Basis für weitere Studien über diese Tiere. Ein großer Erfolg der Expedition war auch, dass der Komodowaran definitiv als eigenständige Art wissenschaftlich anerkannt wurde.
Doch leider gab es auch negative Folgen: Die beiden Komodowarane im Bronx Zoo starben sehr schnell, denn Klima und neuer Lebensraum entsprechen nicht dem natürlichen Habitat dieser Riesenechsen.
Betrachtet man die Expedition im kolonialen Kontext, so muss man sagen, dass dies ein frühes und trauriges Kapitel menschlicher Ausbeutung der exotischen Natur war.
Schutzmaßnahmen für die Komodowarane Indonesiens
Im vergangenen 20. Jahrhundert erkannte man bald, dass umfassende Maßnahmen zum Schutz des indonesischen Komodowarans getroffen werden mussten. Von den ersten warnenden Beobachtungen einiger weniger Naturforscher bis heute hat sich mittlerweile ein umfassendes Schutzsystem etabliert, das nicht nur das Tier selbst, sondern auch seinen heute recht eingeschränkten Lebensraum schützen soll.
Entwicklung in den 1930er Jahren
Nach der sehr erfolgreichen Burden East Indian Expedition wuchs das Interesse an den urzeitlichen Komodowaranen sehr schnell. Die Niederlande, zu dieser Zeit noch Kolonialherren in Indonesien erwägen erste Schutzmaßnahmen, da eine zunehmende Jagd auf die Tiere für Zoos oder Museen beobachtet wird. Dies würde langfristig zu einer Gefährdung für die Waran-Population werden.
Es werden Leitlinien erstellt, aber keine neuen Gesetze. Wilderei reduziert zusätzlich zur verstärkten Nachfrage von Zoos die Anzahl der Tiere. Erste Ansätze zeichnen sich ab, die Insel Komodo als Schutzzone auszuweisen, bleiben aber noch Theorie.
Entwicklung in den 1960er bis 1970er Jahren
Erst 1965 wird die Insel Komodo formell als Nature Reserve (Naturreservat) ausgewiesen. Es ist die erste ganz offizielle Schutzmaßnahme für den Komodowaran. So wächst langsam ein Bewusstsein, dass diese seltenen Tiere durch schlechtere Umweltbedingungen wie die Einschränkung ihres Lebensraums immer mehr gefährdet sind.
So wird versucht, die Jagd einzuschränken, ebenso die Bereiche, die von Menschen genutzt werden dürfen. Auch Brutplätze versucht man, besser zu schützen.

Gründung des Komodo Nationalparks 1980
1980 kann ein erster großer Erfolg verzeichnet werden: Der Komodo Nationalpark wird eröffnet, nicht nur, um die Warane zu schützen, sondern auch um ihren Lebensraum und passende Umweltbedingungen zu erhalten.
Später erfolgt eine Erweiterung auf die gesamte Tier- und Pflanzenwelt und die marinen Ökosysteme um den Inselbereich herum.
Der Nationalpark umfasst nicht nur die Insel Komodo, sondern auch die Inseln Rinca, Flores, Padar sowie die kleineren umliegenden Inseln einschließlich der Meeresgebiete.
Komodowaran – UNESCO Weltnaturerbe
11 Jahre später erfolgte ein weiterer erfolgreicher Schritt in die richtige Richtung: der Komodo Nationalpark wird von der UNESCO zum Weltnaturerbe deklariert. Das bedeutet zugleich eine Pflicht zur Intensivierung der Schutzmaßnahmen.
Gleichzeitig mit der Ernennung zum Weltnaturerbe erfolgt auch die Ausweisung als Biosphärenreservat und internationale Biodiversitäts-Schutzzone. Auch dieser Titel bringt verstärkt langfristige Maßnahmen zum Schutz der Tiere und Inseln mit sich.
Entwicklung ab den 2000er Jahren bis heute
Heute lässt sich sagen, dass der Auftrag und die Maßnahmen zum Schutz der Tiere und der gesamten umgebenden Ökosysteme auf den Inseln und im Meer erweitert und verstärkt wurden. So wurden auch Meeresfauna, Korallen, Mangroven und Küsten miteinbezogen.
Die indonesische Regierung arbeitet zusammen mit internationalen Umweltorganisationen an der Umsetzung von Plänen, die beispielsweise eine nachhaltige Bewirtschaftung oder die Kontrolle eines maßvollen Tourismus beinhalten.
Der Komodo Nationalpark gilt heute als Biodiversitäts-Hotspot – weltweit gibt es davon nur 25.
Komodowaran – Jurassic Park im Nationalpark
Entgegen allen positiven Meldungen im Hinblick auf Schutzmaßnahmen der Komodowarane und der umgebenden Ökosysteme gibt es leider auch sehr negative Meldungen, die Schlimmes befürchten lassen, sollten sie Wahrheit werden.
So erscheinen immer wieder alarmierende Berichte oder Meldungen, dass die indonesische Regierung Pläne hat, den Komodo-Nationalpark in einen neuen ‚Jurassic Park‘ zu verwandeln, verbunden mit entsprechenden Baumaßnahmen für exklusive Resorts und Luxus-Tourismus.
Umweltorganisationen und lokale Gruppen – wie beispielsweise auch das Volk der Ata Modo – warnen davor, diese Pläne Realität werden zu lassen. Denn ein solches gigantisches Projekt auf Komodo oder Rinca wäre der Untergang für den Komodowaran und sein ohnehin bereits eingeschränktes Habitat.
Offizielle Genehmigungen oder bereits begonnene Baumaßnahmen – wie sie auch schon genannt wurden – können derzeit nicht nachgewiesen oder verifiziert werden.
Fakt ist jedoch, dass dieses ungeheure Vorhaben zumindest derzeit nach wie vor ein heiß umstrittenes Projekt ist, das sich allerdings noch in der Planungsphase zu befinden scheint.
Komodowarane und die Ata Modo
Für die auf den Inseln Komodo, Rinca und Flores lebenden indigenen Menschen war der Komodowaran immer schon ein fester Bestandteil in ihrem Leben und ihrer Umgebung. Für sie war er eine Art spirituelles Tier. Das heutige Wissen darum basiert erst auf mündlichen Überlieferungen, später kamen ethnografische Berichte dazu.
Das Volk der Ata Modo
Das Volk der Ata Modo gilt als die ursprüngliche, indigene Bevölkerung der Insel Komodo, auf der sie seit vermutlich etwa 2.000 Jahren lebt. Die Ata Modo leben heute hauptsächlich in ihrem Dorf Komodo (Kampung Komodo) auf der Insel, das innerhalb des Komodo-Nationalparks liegt.
In den offiziellen Park-Dokumenten werden sie als ‚descendents of the original people of Komodo‘ bezeichnet, also als Nachfahren der ursprünglichen Bewohner. Auch in den vorhandenen anthropologischen und sozialwissenschaftlichen Arbeiten werden sie als Indigene behandelt, die eine eigene Identität besitzen und heute politisch um ihre Anerkennung kämpfen.
Das wiederum gilt sowohl für die Teilhabe der Ata Modo am Tourismus als auch um die Anerkennung ihrer Rechte auf das Land, auf dem sie leben.
Sprache und Bedeutung des Namens Ata Modo
In ihrer eigenen lokalen Sprache bedeutet ‚Ata‘ = Menschen und ‚Modo‘ = Drachen, also Komodowarane. Diese eigene lokale Sprache hat sogar ein niederländischer Missionar und Linguist ausführlich beschrieben. Heute sprechen die Ata Moda darüber hinaus auch die übliche indonesische Sprache, Bahasa Indonesia.
Traditionelle Lebensweise der Ata Modo
Früher waren die Ata Modo Jäger und Sammler aber auch Fischer und Waldbewohner. Als dann der Komodo-Nationalpark ins Leben gerufen wurde, ging damit eine starke Einschränkung von Jagd und Nutzung der Waldressourcen einher.
So mussten sich die Ata Modo andere Möglichkeiten suchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Lauf der Zeit und mit zunehmendem Tourismus wurden sie zu Souvenir-Verkäufern, Souvenir-Schnitzern, aber auch zu Touristenführern, die ihre Kenntnisse über die Komodowarane und ihre eigene damit verbundene Kultur weitergeben.
Die Ata Modo und die Komodowarane
Das Volk der Ata Modo hat eine ganz außergewöhnliche Beziehung zu den Komodowaranen. Die urzeitlichen Riesenechsen sind ein fester Bestandteil ihrer Kultur, ihrer Spiritualität und ihrer Mythologie.
Die Legende von den Komodowaranen
Die Ata Modo sehen sich und die Komodowarane nach einer uralten Legende als Geschwister oder als Zwillinge oder Drachenbrüder. Dieser Bezug wird sogar in der lokalen Sprache der Ata Modo explizit hervorgehoben:
Modo = Drache, also Komodowaran
Komodo = Ort des Modo, also Ort oder Land des Komodowarans
Es wird unterschieden zwischen ‚Komodo‘ und ’sebae‘ = die andere Hälfte. Dabei handelt es sich um die Bezeichnung für den Waran als Zwillingsbruder und damit als andere Hälfte.
Die Legende der Ata Modo erzählt, dass auf Komodo einst eine Frau namens Lia lebte, die sich ein Kind wünschte, doch ihr sehnlichster Wunsch blieb lange Zeit ein unerfüllter Traum. Als sie schließlich doch schwanger wurde, gebar sie Zwillinge. Aber – es waren ganz besondere Zwillinge: Ein Baby war ein Menschenkind, der Zwilling dagegen ein kleines fremdartiges und schuppiges Wesen, ein Waran-Baby. Der menschliche Zwilling bekam den Namen Gerong, der Waran-Bruder den Namen Orah.
Beide Brüder wuchsen getrennt voneinander auf – Gerong mit seiner Familie im Dorf und sein Drachenbruder Orah im Wald. Viele Jahre später, als Gerong ein erwachsener Mann geworden war, begegnete er im Wald einen mächtigen Waran. Doch dieser zeigte weder Furcht noch Drohgebärden, noch Fluchtabsichten und auch Gerong verspürte nicht die geringste Angst. Im Gegenteil, er erkannte im Verhalten des Warans etwas Vertrautes. Er verstand plötzlich, dass dies sein Zwilling war.
Was die Legende der Ata Modo besagen will
Diese Legende dient als kulturelle Erklärung dafür, dass die Ata Modo ein besonderes Verhältnis zu den Komodowaranen haben. Für sie ist es eine Art moralisches Gebot, diese Riesenechsen zu achten und zu respektieren. Komodowarane gelten bei den Ata Modo als Ahnen bzw. als Familienmitglieder, die man schützen muss und die man niemals verletzen würde.
Betrachtet man diese Legende unter dem ethnografischen Aspekt, so kann man durchaus sagen, dass sie ein symbolischer Ausdruck ist für eine enge Beziehung zwischen Mensch und Tier, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Lebensraum eine Insel ist, die ein isoliertes Ökosystem aufweist.
Spiritueller Aspekt der Legende
Für die Ata Modo spielt der Komodowaran auch eine spirituelle Rolle. Er gilt nicht nur als ihr Zwillingsbruder, sondern auch als Schutzgeist, als Schutzherr der Insel und als Teil ihres kulturellen Erbes. Gleichzeitig ist der Komodowaran aber auch ein Symbol, ein Zeichen für ihre Naturverbundenheit.
Alte Bräuche und Rituale der Ata Modo
In alten Zeiten gab es allerlei Bräuche oder Rituale der Ata Modo rund um den Komodowaran. In früheren ethnografischen Berichten kann man Informationen darüber finden, dass die Ata Modo nur bestimmte Teile ihrer Jagdbeute selbst benutzten.
Alles übrige wurde ganz gezielt den Komodowaranen als Nahrung überlassen, wie beispielsweise Eingeweide, Knochen oder Kopf und Füße. Bei diesem Brauch zeigt sich wieder die mythologische Verwandtschaft mit dem tierischen Zwillingsbruder, dem Drachenbruder. Man teilte sich also die Beute mit dem Familienmitglied.
Ein anderes Beispiel für diese gelebte kulturelle Waran-Verwandtschaft ist das Füttern von alten und schwachen Tieren – ganz so wie man auch für alte und kranke Familienmitglieder sorgen würde.
Seit der Einrichtung des Komodo-Nationalparks sind solche Bräuche heute allerdings verboten, es gelten strenge Regeln.
Auf der Nachbarinsel Flores haben die Menschen in alten Zeiten Speiseopfer für die Warane dargebracht und es fanden verschiedene Zeremonien und Gebete um Schutz statt.
Komodowarane – Gefährdungsstatus und Bedrohungen
Schaut man in die Geschichte des Komodowarans zurück, so stellt sich unwillkürlich die Frage, wie sich die heutige Situation dieser wahrlich einzigartigen und urzeitlichen Riesenechse darstellt und wie es um ihre Zukunftsaussichten bestellt ist.
Gefährdungsstatus
Der Komodowaran zählt heute zu der am stärksten bedrohten Waranart weltweit. Nach der IUCN Red List hat er bereits seit 2021 den offiziellen Status ‚Endangered / Stark gefährdet‘. Seine heutige Situation ist also mehr als bedenklich. Die geschätzte Gesamtzahl weltweit liegt bereits unter 6.000 Exemplaren.
Eine Prognose der IUCN besagt, dass sich – gerechnet ab 2010 – der Bestand bis 2050 um über 30% reduzieren wird. Ein weiteres Problem ist auch, dass sich das natürliche Vorkommen des Komodowarans nur auf wenige Inseln beschränkt.
Bedrohung durch Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels
Die Bedrohungen, die sich auf die Tiere auswirken sind vielfältig und entstehen sowohl durch natürliche, als auch menschliche Einflüsse. Manche davon verstärken sich sogar noch gegenseitig und die Auswirkungen zeigen sich oft erst langfristig. Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels gelten als bedeutendste Bedrohung des Komodowarans.
Das könnte eine Überflutung von 30 bis 71% seines Habitats bedeuten. Denn gerade die Lebensräume an den Küsten sind sehr niedrig gelegen. Es gibt Modellberechnungen, die sogar einen Rückgang seines Lebensraums von bis zu 99% voraussagen. Eine absolute Horrorvorstellung!
Bedrohung durch Verlust des Lebensraums
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Lebensraum für Komodowarane stark verändert und reduziert, bedingt durch Umwandlung in Farmland, Siedlungen, Straßenbau. Damit einher gingen auch Störungen der Tiere in ihrem Habitat.
Bedrohung durch Menschen & den Rückgang von Beutetieren
Auch der Mensch stellt eine nicht zu vernachlässigende Bedrohung für die Komodowarane und ihren Lebensraum dar. So entstehen Konflikte mit Siedlern, wenn die Riesenechsen Ziegen oder Rinder als Nahrung reißen.
Außerdem hat der Mensch durch seine Jagd auf Hirsche oder Wildschweine das Nahrungsangebot für die Komodowarane deutlich reduziert. Und noch vor der Gründung des Nationalparks wurde die Populationen reduziert durch illegale Fänge, Wilderei oder Fänge für Zoos.
Eine höchst aktuelle Bedrohung unserer Tage ist der ansteigende Tourismus und die damit verbundene aufgebaute Infrastruktur. Immer mehr Besucher sorgen für Störungen der Tiere, für Müll, für einen steigenden Bootsverkehr…
Komodowaran – Zukunftsaussichten
Derzeit sind die Bestände auf den geschützten Inseln noch relativ stabil, doch ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen ist das Aussterben der Komodowarane vorprogrammiert.
Folgende Stellschrauben wären für die Zukunft des Komodowarans sinnvoll, um ihn zu erhalten, auch für künftige Generationen:
- Ein globaler Klimaschutz, der einen Anstieg des Meeresspiegels verhindern könnte
- Eingeschränkte Lebensräume der Tiere streng schützen und wo möglich, maßvoll wieder herstellen – wie beispielsweise weitere Rodungen verhindern, Wiederaufforstung, für höher gelegene Regionen sorgen und damit für Ausweichmöglichkeiten bei Meeresspiegelanstieg.
- Eine vernünftige und sinnvolle Balance finden zwischen Tourismus, Schutz und Lebensraum
- Vermeidung von großen Hotelprojekten in den Hauptlebensräumen der Komodowarane
Denn nur wenn es gelingt, das Habitat dieser urzeitlichen Riesenechsen sinnvoll und konsequent zu schützen und zu erhalten, dann haben die einzigartigen Komodowarane langfristig Überlebenschancen.
KSP – Komodo Survival Program
All das hat sich das KSP, das Komodo Survival Program auf seine Fahnen geschrieben. Das KSP ist eine Schutzinitiave bzw. eine Organisation, die sich explizit dem Schutz der Komodowarane und ihres Habitats widmet und damit bei diesem Thema eine sehr wichtige Rolle spielt. Der Sitz der KSP ist in Indonesien, sie arbeitet sowohl mit lokalen Behörden, als auch mit internationalen Partnern und Umweltschutzbehörden zusammen.
Sie ist derzeit die zentrale Organisation für den Schutz und das Management der Bestände im Komodo Nationalpark. Die erarbeiteten Daten und Berichte der KSP sind die Basis für offizielle Bewertungen wie die IUCN-Einstufung.
Neben dem Erhalt der einzigartigen Biodiversität und der Förderung eines nachhaltigen Tourismus ist ein wichtiger Teil der Arbeit von KSP Komodo Survival Program die Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit – lokale Bevölkerung ebenso wie Touristen – im Hinblick auf die bedrohten Komodowarane und ihren Schutz.
Einige Beispiele aus der Arbeit der KSP nach einem Bericht von 2023:
Die Organisation hat 2023 mit passiven Infrarot-Kamerafallen die Dichte der Komodowarane auf West- und Nord-Flores erfasst und kam zu dem Ergebnis, dass zu diesem Zeitpunkt der Bestand ziemlich stabil ist.
Auch hat die KSP Komodo Survival Program die Hirschbestände überprüft, da sie den Hauptanteil der Nahrung der Komodowarane stellen. Das Ergebnis war erfreulich, denn die Zahl der Hirsche hatte zugenommen. Grund dafür waren aller Wahrscheinlichkeit nach die intensivierten Patrouilllen und Schutzmaßnahmen.
Zusätzlich hat die KSP die Park-Ranger im Wildtier-Monitoring geschult, zusätzliche Kamerafallen zur Verfügung gestellt und verstärkt Aufklärungsarbeit nicht nur in Schulen durchgeführt, sondern auch in der Erwachsenenbildung.
Zucht von Komodowaranen
Es existieren verschiedene Berichte über die Versuche, Komodowarane in Zoos nach zu züchten.
Doch das ist eine höchst anspruchsvolle und aufwendige Herausforderung. Meistens wurde eine Nachzucht erreicht mit künstlicher Inkubation, also dem Ausbrüten der Eier in einer Art Brutkasten.
Vorreiter sind hier besonders die indonesischen Zoos, insbesondere der Surabaya Zoo und der Gembira Loka Zoo in Yokyakarta – beide auf Java – konnten hier gute Erfolge verzeichnen und schaffen es mittlerweile, regelmäßig Nachwuchs zu züchten.
Auch in Australien kann man hier gute Erfolge vorweisen, beispielsweise im Australia Reptile Park.
Komodowarane besuchen – beste Reisezeit, Sicherheit, Regeln vor Ort
Wer die Komodowarane besucht, kann sicher sein, dass ihn eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse erwarten wird. Ein Besuch bei diesen urzeitlichen Riesenechsen ist einzigartig, doch genau deshalb gilt es, sich mit den wichtigsten Sicherheits- und Umweltregeln vertraut zu machen. Nur so kann eine Begegnung nachhaltig und verantwortungsvoll stattfinden.
Beste Reisezeit
Die beste Reisezeit für einen Besuch der Komodowarane ist die Trockensaison zwischen April und Dezember. Die Wege sind trocken und die Tiere aktiver als in der Regenzeit. Auch die Chancen, Warane zu sichten, sind in diesem Zeitraum optimal. Ein Besuch zwischen Mai und August ist nicht empfehlenswert. Es ist die Paarungssaison (Mating Season) und in dieser Zeit sind die Männchen ungleich aggressiver als im übrigen Jahresverlauf.
Warum ein Guide oder Ranger obligatorisch ist
Komodowarane sind Wildtiere, das bedeutet, ihr Verhalten kann durchaus unberechenbar sein. Ein Guide oder Ranger hat eine entsprechende Ausbildung und kann die Signale der Tiere – Aggression, Stress oder auch Drohgebärden – gut erkennen und einschätzen. So schützen die Ranger beide Seiten – Besucher und Tiere – und verhindern, dass die Komodowarane empfindlich in ihrem Refugium gestört werden.
Ranger wissen auch ganz exakt, wie weit man sich diesen Wildtieren ungefährdet nähern darf und welche Abstände von ihnen einzuhalten sind, um sich keinem Risiko auszusetzen. Sollte es zu einem Notfall kommen wie ein Sturz oder ein Problem mit der Hitze, so sind sie dafür sensibilisiert und können entsprechend handeln.
Außerdem besagen die offiziellen Regeln des Komodo Nationalparks, dass eine Begleitung durch einen Guide oder Ranger verpflichtend ist. Sich auf der Insel Komodoe alleine auf den Weg zu machen, ist strengstens verboten!
Ablauf einer Tour mit einem Ranger
Wenn man mit dem Boot auf Komodo oder Rinca angekommen ist, erfolgt zunächst die Registrierung beim Ranger-Posten. Dort bekommt man einen Ranger zugeteilt und es erfolgt eine Sicherheitseinweisung.
Es gibt verschiedene Tourmöglichkeiten, die unterschiedlich lang sein können, von kurzen Strecken (30-60 Min.) bis hin zu langen Strecken (3 – 4 Stunden) abhängig von der besuchten Insel.
Während dieser Tour hat man die Möglichkeit, die Komodowarane in ihrem freien Lebensraum zu beobachten. Fotostopps erfolgen stets in sicherer Distanz, ca. 5-10 m Abstand zu den Echsen.
Die Tour endet danach wieder am Ranger-Posten und dann geht die Fahrt mit dem Boot wieder zurück.
Sicherheitsregeln
Eine der wichtigsten Sicherheitsregeln lautet: Bleiben Sie immer hinter dem Ranger. Gehen Sie niemals um die Komodowarane herum und stellen Sie sich niemals zwischen die Tiere.
Wenn die urzeitlichen Riesenechsen sehr aktiv sind oder sogar erregt, dann muss der Sicherheitsabstand entsprechend vergrößert werden.
Wichtig ist auch, nie zu rennen, denn Warane reagieren auf schnelle Bewegungen. Ebenso sollen laute Geräusche vermieden werden. Auch Füttern ist strengstens verboten!
Außerdem trägt man am besten geschlossene Schuhe, da die Wege uneben sind. Bei Hitze sollte natürlich auch an Sonnenschutz, Kopfbedeckung und Wasser gedacht werden.
Grundsätzlich gilt: Halten Sie sich stets an die Anweisungen der Ranger, sie bestimmen, wann und wo Stopps möglich und sicher sind. Denn sie kennen die Risiken und das Verhalten der Tiere.
Und nie vergessen: Wir Menschen sind Gäste im Habitat der Komodowarane und sollten uns dementsprechend verhalten.
Die kulinarische Fußnote: ‚SeitenSprung‚– Kopi Flores Bajawa
Flores, die große Nachbarinsel neben Komodo, ist bekannt für ihren Kaffee. Der Kopi Flores Bajawa ist ein hochwertiger Arabica-Kaffee. Besonders gut gedeiht er auf vulkanischen Böden. Der Kaffee Kopi Flores Bajawa ist ein bedeutendes regionales Produkt. Er weist ein typisches Schokoladen- und Karamellaroma auf, das wohl auf diesen vulkanischen Boden zurückzuführen ist. Häufig wird er angebaut in Kooperativen, zu denen sich kleine Bergdörfer zusammengeschlossen haben.
Kopi Flores Bajawa und die Verbindung zur Insel Komodo und ihren Komodowaranen:
Beide Inseln haben den gleichen Ursprung, sie sind durch Vulkanismus entstanden. Diese vulkanischen Aktivitäten sorgten einerseits für die Entstehung einer Landschaft, die den perfekten Lebensraum für die Komodowarane bildet, andererseits auch für den außergewöhnlich fruchtbaren Boden, der den Kaffee Kopi Flores Bajawa gedeihen lässt.
Und so verbindet dasselbe geologisches Erbe den Lebensraum der Komodowarane mit dem Kaffeeanbau durch die Bauern – es prägt sowohl die Landschaft der Inseln als auch ihre Kulinarik.
Fazit
Die Komodowarane sind heute etwas Einzigartiges, denn diese Riesenechsen sind definitiv die letzten ihrer Art. Sie sind ein hervorragendes Beispiel für die evolutionäre Anpassung im Lauf von Jahrtausenden und die daraus resultierende Widerstandskraft, aber auch ein Symbol für die Biodiversität ihrer Heimat Indonesien.
Er ist ein fleischfressender großer Räuber, der an der Spitze der Nahrungspyramide in seinem Ökosystem steht. Damit ist er gleichzeitig auch ein Indikator für seinen Lebensraum. Denn wenn der Zustand dort gut und in Balance ist, ist auch der Zustand der Warane gut.
Die stark gefährdeten Komodowarane stehen in unserer Zeit vor großen Bedrohungen, bedingt durch den Klimawandel, das Schrumpfen ihres Lebensraums, stark wachsenden Tourismus und damit verbundene, sehr umstrittene Infrastrukturprojekte. Nur starke Schutzmaßnahmen können diese vom Aussterben bedrohte urzeitliche Riesenechse noch erhalten.
Vieles ist dafür bereits in die Wege geleitet worden, von der Ausweisung als Nationalpark und der Ernennung zum UNESCO Naturerbe, aber nach wie vor ist noch viel Luft nach oben. Eine sinnvolle und enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und indigener Bevölkerung ist nötig und muss gefördert werden, insbesondere auch im Hinblick auf nachhaltigen und gelenkten Tourismus.
Komodowarane sind wahrhaftig die letzten Drachen unseres Planeten, ich durfte ihnen schon auf der Insel Komodo begegnen und habe es als besonderes Privileg empfunden. Es hat mir gezeigt, wie stark und zugleich fragil die Natur sein kann. Die Zukunft dieser Riesenechsen liegt in unserer Hand.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Komodowaran:



























