Im Rahmen meiner Jemen-Erinnerungen gehen wir heute in das Harazgebirge und besuchen auch das Bergdorf Al Hajjarah. Die Landschaft änderte sich, wurde schroffer, wir waren im Harazgebirge angekommen. Ein kleines Flüsschen schlängelte sich durch die grünen fruchtbaren Täler mit Bananenplantagen und kleinen Feldern.

Im Fluss wuschen Frauen Wäsche und badeten – von Kopf bis Fuß in ihren schwarzen Umhang gekleidet. Ein paar hundert Meter weiter oben stand ein riesengroßer Jeep mitten im Fluss – es schien Waschtag zu sein…

Im Harazgebirge
Im Harazgebirge

Immer wieder sahen wir im Jemen und vor allem im Harazgebirge alte steinerne Häuser und ganz in schwarz gekleidete Lasten tragende Frauen. Männer balancierten Säcke auf ihrem Kopf, gleichmütig, langsam. Stress, Eile oder Hektik kannte hier offensichtlich niemand. Dann führte die Straße durch canyonartig eingeschnittene Täler, an den steilen Hängen klebten wie Vogelnester uralte Häuser im typisch jemenitischen Stil.
Es ging auf die Mittagszeit zu, der Unterricht war wohl gerade zu Ende, denn Horden von Schulkindern, die kleinen Mädchen bereits in den typischen schwarzen Umhang der moslemischen Frauen gehüllt, waren unterwegs nach Hause.In den höheren Lagen im Jemen fallen  Terrassenfelder ins Auge, mühsam von Hand angelegt. Früher wurde hier im Hochland des Harazgebirges Kaffee angebaut. Der jemenitische Hafen Mokka – oder arabisch Al-Mukha – stand Pate für unseren Mokka und war damals der wichtigste Handelsumschlagplatz für Kaffee, der vermutlich hier und im geographisch gegenüberliegenden Äthiopien seine ursprüngliche Heimat hat.

Zu Besuch im Bergdorf Al Hajjarah (Al Hadschara)

Die Ansicht verschlug mir den Atem. Wie ein Adlerhorst thronte das alte Dorf hoch oben am Berg. Mehrstöckige Hochhäuser mit weißer Bemalung schmiegten sich im Harazgebirge dichtgedrängt an den steilen Felsen. Bedingt durch die einzigartige Lage dürfte es in alten Zeiten für Feinde uneinnehmbar gewesen sein und der Blick über die Landschaft ist einmalig. Nicht umsonst zählt diese Region zu den spektakulärsten Landschaftsformen Jemens. Doch beim Rundgang durch Al Hajjarah stellte ich fest, dass die Moderne selbst hier in dieser Abgeschiedenheit schon Einzug gehalten hatte. Überall Souvenirstände mit Paschmina-Schals, den typisch jemenitischen Krummdolchen, Schmuck, Postkarten und vieles mehr. Allerdings waren die Menschen freundlich, liebenswürdig und angenehm unaufdringlich.

Die Architektur der Bergdörfer im Harazgebirge

Mann in Al Hajjarah
Mann in Al Hajjarah

Beim Spaziergang durch das verschachtelte Dorf bewunderte ich die alten Hochhäuser, oft 6-7 Stockwerke hoch, im unteren Bereich aus großen Steinen ohne Zement passgenau ineinandergefügt und im oberen Bereich aufgestockt mit kleinen Lehmziegeln, ebenfalls ohne Mörtel. Mir fielen besonders die Fenster auf: Glas gab es früher nicht oder war zu teuer. Um sich vor der grellen Sonne zu schützen, wurde als Ersatz ganz dünn geschnittener Alabaster dafür verwendet. Dies dämpfte die Helligkeit und tauchte den Raum in ein angenehm milchiges Licht.
Aus einem kleinen Fenster lugte vorwitzig ein kleines Mädchen heraus, ich konnte kaum glauben, dass dieses uralte Gemäuer in Al Hajjarah tatsächlich noch bewohnt war.

Als ich die Treppe hinunterschlenderte, kam mir ein Alter entgegen, der einen Esel hinter sich herzog. Geduldig trottete das Tier die unebenen steinernen Stufen hinauf, an einem Absatz lehnte ein Greis auf seinen Stab gestützt und blickte versonnen ins Tal hinunter. Woran er wohl gerade denken mochte? Momentaufnahmen aus einer vergangenen Zeit…in einem einzigartigen Land wie Jemen.

Männer mit Esel in Al Hajjarah
Männer mit Esel in Al Hajjarah
Alabasterfenster in Al Hajjarah
Alabasterfenster in Al Hajjarah
Typische Fassenbemalung in Al Hajjarah
Typische Fassenbemalung in Al Hajjarah

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